AURA – Magazin

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Artikel

Spiritualität und Politik – geht das zusammen?

„Das Wichtigste ist herauszufinden, was das Wichtigste ist.“
(Suzuki Roshi)

Die politische Lage spitzt sich weltweit immer mehr zu. Krieg, Unterdrückung, Protest, Armut, Flüchtlinge und Überwachung – es scheint, als säßen wir auf einem gesellschaftlichen Pulverfass, dessen Lunte langsam dem großen Knall entgegen brennt.

Die sich verschärfende wirtschaftliche Lage, die zunehmende Kluft zwischen der Politik und der Bevölkerung und eine grundlegende Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen treibt weltweit immer mehr Menschen auf die Straße. Ist es Zeit für Widerstand und Revolution? Oder ist der „Kampf“ ein altes Konzept und vielleicht sogar grundsätzlich kontraproduktiv? Gerade für spirituelle Menschen scheint dies eine extrem schwierige Frage zu sein. Fast scheint es, als wäre politisch-gesellschaftliches Engagement für spirituelle Menschen kaum denkbar. Warum ist das so?

Wie schafft es die spirituelle Szene, Umweltzerstörung, Krieg, sterbende Kinder, den Massenmord an Tieren – kurz: das erdrückende Elend und die schreiende Ungerechtigkeit dieser Welt – so hartnäckig zu ignorieren? Muss nicht jeder, der sich je mit diesen Dingen wirklich konfrontiert hat, der das Leid dieser Welt wirklich an sein Herz gelassen hat, zwangsläufig eine heilige Wut spüren, einen tief empfundenen Impuls zu Veränderung, Hilfe und vielleicht sogar Kampf?

Mir zumindest ging es oft so. Verhungernde Kinder, getötete Tiere, zerstörte Wälder, skrupellose Konzerne, sinnlose Kriege, dreiste Lügen – ich hatte in meinen jüngeren Jahren viele Phasen, in denen es mir schien, als seien Bomben doch die einzig adäquate Antwort auf so manche Ungerechtigkeit.

In anderen Phasen stießen mich Resignation, Angst und Verzweiflung in eine Art spirituelles Heimweh: Ich wollte hier weg, nach Hause, fort aus dieser dunklen Welt. Die Realisation, dieser verschlingenden Übermacht, diesem Moloch von System und der Verschwörung von Geld, Macht und Gewalt gegenüberzustehen, die unbesiegbar scheint, kann erschrecken und entmutigen.

Was macht all das mit mir? Kann ich zulassen, das wirklich zu fühlen? Wie antworte ich darauf? Schließe ich meine Augen wieder? Renne ich hinaus auf die Straße und kämpfe? Machen Demonstrationen und Petitionen irgendeinen Sinn? Müssen wir radikaler werden? Gibt es überhaupt eine „richtige“ Antwort?

Wie gehe ich in all dem mit meiner Spiritualität um? Wie kann ich bei Räucherstäbchen und Dudel- Musik auf einem Meditationskissen sitzen, während Kinder geschändet und Unschuldige abgeschlachtet werden? Ist meine Spiritualität, meine Erfahrung von Einheit und tiefer Liebe ein verlogener Fluchttrip, ein narzisstischer Eskapismus vor der Welt und meinem Platz darin?

Oder ist Spiritualität vielleicht der einzige Weg, wirklich etwas zu verändern – weil jeder Mensch immer nur sich selbst verändern kann? Ist es nicht das Bewusstsein der Menschen, das die gegenwärtige Welt erschafft? Wird jede Revolution nicht immer wieder in denselben Mustern enden, wenn sich nicht zuerst das Bewusstsein der Menschen ändert? Liegt der Weg zum Frieden in der Welt nicht darin, dass wir zuerst selbst dieser Frieden werden müssen? Führt der einzige Weg zur Transformation der Gesellschaft nicht über die Transformation der Menschen, aus denen sich die Gesellschaft zusammensetzt?

Und liegt politischer Kampf nicht in genau der Frequenz, die er glaubt zu beseitigen: Angst, Wut, Kampf, Urteil, Trennung, Verzweiflung … Ist eine Lösung auf diese Weise überhaupt vorstellbar? Kann das zu etwas anderem führen als zu immer mehr Kampf, immer mehr Wut, Misstrauen und Gewalt?

Geht es nicht vielleicht auch darum, dass wir aussteigen aus diesem Spiel und wieder zu Vertrauen, Liebe, Kooperation und Freude finden – weil das die einzig möglichen Grundlagen für eine wirklich nachhaltige Alternative sind?

Oder ist das alles naive Esoterik-Denke? Liegt die Wahrheit vielleicht irgendwo dazwischen?

Ich denke, die Antwort auf diese Fragen kann man nicht von anderen bekommen. Jeder muss sie aus seinem Inneren erlauschen. Und es wird Zeit für spirituelle Menschen, dabei genau hinzuhören. Die gemütlichen spirituellen Slogans von Akzeptanz, Liebe, Nicht-Handeln – sind sie nicht manchmal wirklich nur eine Ideologie, unter der sich die Angst vor der Welt verbirgt? Eine Harmoniesucht, ein Verkriechen in eine kleine, heile Blase?

Wir können den Fernseher ausschalten und nichts mehr hören vom Leid anderer, nur noch positive Nachrichten lesen. Aber glauben wir wirklich, all das Leid da draußen hätte nichts mit uns zu tun? Glauben wir wirklich, diese Manifestation unseres kollektiven Bewusstseins käme nur von den anderen? Wir können vor dieser Manifestation nicht fliehen, wir leben in ihr und wir werden uns in und zu ihr verhalten müssen. Haben wir den Mut, tief in uns und den Spiegel dieser Welt zu sehen und unsere Rolle darin zu erkennen? Können wir uns wirklich berührbar machen? Lassen wir das Leid dieser Welt noch an uns heran? Was macht es mit uns, wenn wir uns wirklich erlauben, das alles zu fühlen? Was will dann passieren?

Ich denke ein neues Modell wird nicht aus einem alten Bewusstsein kommen. Denn wie Einstein so schön sagte, kann man Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Spiritualität wird ein wichtiger Teil einer wirklich nachhaltigen Lösung sein, denn weder politische Systeme noch die Gebote irgendeiner Religion haben je wirklich etwas geändert. Was wir brauchen, ist Spiritualität im Sinne einer Rückverbindung: zu uns selbst, zu den Menschen, der Welt und der Natur. Und ein Handeln aus dieser Verbundenheit.

Ein Kampf gegen das System allein reicht darum nicht aus. Was wir brauchen, ist eine positive, existenzielle Motivation. Der Philosoph Yasuhiko Genku Kimura ist der Ansicht, es gibt nur eine Sache, für die es sich zu leben, zu kämpfen und zu sterben lohnt: Integrität. Die Übereinstimmung zwischen dem, was wir sind, fühlen, wollen und tun – die bedingungslose Treue zu unserem Selbst.

Es ist nicht der Kampf, den wir in Ghandi oder Che Guevara so sehr bewundern, sondern es ist ihre Integrität, ihre Treue zum Selbst. Es ist der spirituelle Krieger, der tief inspiriert, ein Mensch, der sich selbst, seinen Werten, seiner Vision und innersten Wahrheit treu bleibt, der in seinem eigenen, inneren Sein verwurzelt bleibt, welche Stürme auch um ihn toben mögen.

Diese Integrität kümmert sich nicht um spirituelle Konzepte, politische Ideologien, gesellschaftliche Moral – auch nicht um Bequemlichkeit, Sicherheit und persönlichen Nutzen.

Solche Integrität setzt sich zusammen aus Selbsterkenntnis und wahrhaftigem Handeln. Können wir solche Integrität verkörpern, wenn wir uns selbst nicht kennen? Und können wir von Integrität sprechen, wenn wir uns zwar fühlen, aber davon nicht unser Handeln leiten lassen? Ich denke, die spirituelle Szene krankt an einem Mangel an Integrität, wenn es um das Handeln in der Welt geht, und weite Teile der politischen Szene kranken an einem Mangel an Selbsterkenntnis. Für die Zukunft werden wir beides brauchen.

Das beginnt im Kleinen, mit sehr einfachen Fragen: Wie sehr sind wir unserem Selbst treu, jeden Tag? Bei dem, was wir tun, bei den kleinen Ungerechtigkeiten, die wir beobachten, den bettelnden Menschen, die uns begegnen, den Wahrheiten, vor denen wir uns verschließen? Ist das, was wir tun, sagen, konsumieren, in Einklang mit unserem tiefsten Wissen? Jeder Tag und jeder Einkauf konfrontiert uns mit politischspirituellen Entscheidungen, denn alles, was wir tun und konsumieren, hat direkten Einfluss auf andere Wesen und unser eigenes und kollektives Bewusstsein. Wo machen wir doch irgendwie mit und übergehen unser Gefühl, dass etwas falsch ist? Wo sind wir still, wenn etwas in uns sprechen will? Wo sehen wir weg, wenn etwas in uns handeln möchte? Wo fühlen wir nichts mehr, obwohl unser Herz schreit?

Wer immer diesen Fragen folgt, wird auf die eine oder andere Weise politisch und ökologisch handeln. Wer immer sein Bewusstsein von diesen Fragen weiter ausdehnt auf die Welt, wird sein eigenes Verwoben-Sein mit ihr erkennen müssen. Wer immer diese Inkarnation wirklich annimmt, spirituelles Bewusstsein wirklich in die Verkörperung bringt, bei dem drückt sich Spiritualität auch durch bewusstes In-der-Welt-Sein aus.

„Wer bin ich“ ist keine Frage, die sich nur im Rahmen einer Meditation stellt, sie stellt sich in jedem einzelnen Augenblick. Wir geben die Antwort durch unser Handeln, unsere Begegnungen, unsere Worte. Vielleicht ist die Frage nicht, ob wir politisch oder spirituell sind, sondern wann wir wirklich anfangen, von unserem tiefsten Ort aus zu sein.

David Rotter, www.sein.de


Zusammen sein und doch allein?!

„Ein Gramm Praxis ist besser als eine Tonne Theorie.“ (unbek.)

Vielleicht erinnern sich manche Leser, dass ich mich vor einiger Zeit mal auf Facebook über den Begriff „Online-Kongress“ aufgeregt habe. Damit meinte ich aber nur das Wort, nicht die Sache an sich. Denn hierbei handelt es sich schlicht um ein ganz neues Medienformat, das via Internet und Webcam funktioniert und im Moment ziemlich um sich greift.

Worum geht es da? Im Grunde ist es eine Sammlung von Interviews, die von einer Person, gerne auch einem Pärchen, organisiert und moderiert wird. 17 oder 25 zum Teil namhafte Experten zu einem speziellen Thema werden angefragt und via Webcam zuhause interviewt. So finden sich hie und da erstaunlich bekannte Gesichter, die zum Interview nicht ihre Wohnung verlassen müssen und im günstigsten Falle diese kleine PR-Aktion nutzen, um auf ihre Publikationen und Angebote aufmerksam zu machen.

Was störte mich dann eigentlich? Nun, das Wort „Kongress“ kannte man bisher in einem anderen Zusammenhang: An einem Wochenende kommen Referenten an einen Ort, um vor hoffentlich zahlreichem Publikum Vorträge zu halten, in Talkrunden zu sprechen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine wunderbare Sache, ein Gemeinschaftserlebnis. Bei einem Online-Kongress spricht der Experte nur mit dem Interviewer, also eigentlich mit dem Bildschirm und der Kamera und sonst mit niemanden, und das alles in zum Teil unterirdischer Webcamqualität.

Und doch hat das Ganze seinen Reiz. Sich entspannt zuhause über die Themen zu unterhalten, führt manchmal auch für den Interviewten zu einer privaten, inspirierenden Atmosphäre. Nun ist es am Interviewer, diese Chance zu nutzen. Das gelingt nicht immer.

Aber eine interessante Entwicklung findet statt: Eine Demokratisierung der Moderation. Und „Menschen wie du und ich“ stellen manchmal ganz ungewöhnliche Fragen, was immer eine Freude ist für den, der was zu erzählen hat. Ich jedenfalls fand es andersrum mal echt nett und konnte im Gespräch mit dem Interviewer manch neue Gedanken untersuchen. Manchmal fehlt es etwas an Tiefgang und stereotype Fragen gewinnen die Oberhand, aber andererseits spürt man das ehrliche Interesse der Fragenden, und das ist schön.

Und so geht´s: Mutige Zeitgenossen ergreifen die Chance, lernen, mit der vorgefertigten Software umzugehen, drehen (meist sitzend in der Natur) ein kleines Video, das via Vimeo die Gäste begrüßen soll, und los geht’s. Damit die Sache in Schwung kommt, werden auf der frisch online geschalteten Webseite einige Experten mit „angefragt“ angepriesen und das Ganze nach und nach aktualisiert.

Und das Ganze ist auch für die Zuseher zunächst kostenlos. Die Videos sind 24 Stunden freigeschaltet, was manchmal verlängert wird, täglich oder wöchentlich kommen weitere dazu, und am Ende kann man das ganze Paket als Online-Paket kaufen. Ein bisschen erstaunlich, wie schnell sich die einzelnen Angebote in der Präsentation ähneln, aber zum Glück fahren manche der Interviewer mit ihrer Kamera zu einzelnen Gästen raus, um vor Ort zu drehen.

Ich frage mich manchmal schon: Wer soll sich das bitte alles ansehen? Aber die Frage hat man mir auch schon mal gestellt …

Wie wird es weitergehen? Wer da ein Geschäftsmodell wittert, sollte sich schnell ein bisher unbeackertes Themenfeld suchen und flugs einen eigenen Online-Kongress anbieten. Denn es ist zu beobachten, dass es immer mehr davon gibt. Irgendwann wird jeder Experte in dreien davon zu sehen gewesen sein und man könnte – hmm, wer kommt da als erstes auf die Idee – ein Portal erstellen, in dem alle Online-Kongresse gefunden werden können, wo man einen Pauschalbetrag zahlt und im Grunde 24 Stunden lang…. nee, das reicht gar nicht…

Ja, es ist eine praktische Erstinformation, die man sich verschaffen kann. Kostenlos, wenn man sich an die Termine hält. Aber man sitzt halt noch länger vor dem Bildschirm. Will man das?

Und so nett die private Gesprächsatmosphäre auch ist: Man ist zwar privat, aber auch allein. Noch heute mag ich kein Skype, nutze das nur im Notfall. Sich gegenüberzusitzen ist viel spannender, geht ganz anders in die Tiefe und gemeinsam Lachen geht eben auch nur live. Deswegen liebe ich unser MYSTICA-Studio so: Ich moderiere, als wäre es live – Samstag abends, beste Sendezeit, größter TV-Sender. Da wird nicht geplaudert – es geht um etwas, gemäß dem Motto: „Du sollst nicht langweilen“. Okay, kann passieren, dass ich deswegen mal zu schnell unterbreche, aber das Risiko nehme ich in Kauf, damit der Fluss weitergeht.

Trotzdem möchte ich den Machern Respekt zollen: Ich weiß, wie viel Zeit es erfordert, alles einzurichten, sich auf jeden Talkgast vorzubereiten, lange Gespräche zu führen und hinterher alles online zu stellen. Amateure haben nicht die schnellen Internetverbindungen, vieles braucht seine Zeit, Geld wird auch erstmal keines verdient. Gleichzeitig spürt man die immense Freude, die die Webaktivisten dabei haben, mit wunderbaren Experten einfach so mal sprechen zu können. Und das belohnen die Experten mit Geduld und Wissen (Okay, mache Interviewer belohnen sich auch damit, jedes Video mit ihrem Konterfei und nicht mit dem des Talkgastes zu schmücken, aber das nur nebenbei).

Ich glaube, auch Gegenbewegungen wird es geben: Den vermehrten Wunsch, sich wieder von Mensch zu Mensch zu begegnen, in wirklichen Kongressen und vielleicht ganz neuen Arten von Veranstaltungen. Ja, dort kann man den Menschen doch tatsächlich ansprechen und sogar die Hand schütteln …

Toll fände ich, und das wird noch viel zu wenig gemacht, wenn auf solchen Kongressen nicht nur Vortrag auf Vortrag folgt, sondern als Krönung auch eine Talkrunde stattfindet. DANN ist es ein echter Kongress, im Gespräch miteinander und mit dem Publikum.

Thomas Schmelzer, www.mystica.tv


Ganz entspannt im Hier und Jetzt

„Festhalten macht dich nur unglücklich. Du wirst alles loslassen müssen.“ (Osho)

Er machte den indischen Guru Bhagwan Shree Rajneesh (später „Osho“) daheim bekannt. Sein Tagebuch aus dem indischen Ashram seines Meisters wurde zum Bestseller für Sinnsucher. Jörg Andrees Elten starb am 29. Januar 2017 kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Swami Satyananda alias Jörg-Andrees Elten schrieb über seine Erlebnisse beim Guru. Er zweifelte, er hoffte, er glaubte, er haderte mit sich selbst, er meditierte und er liebte. Letzteres war natürlich für uns 15- und 16-Jährige besonders attraktiv. Die Frauen waren jung, aber erwachsen, sie trugen alle nur diese orangeroten Gewänder oder waren gleich ganz nackt. Die Hingabe dieser Mittelscheitelgeschöpfe nahmen wir persönlich. Und der Swami vom Stern, der als junger Bub noch Schüler einer nationalsozialistischenLehranstalt: Napola gewesen war, beschrieb es uns in allen warmherzigen Details:

„Irgendwann zogen sich alle aus, bildeten einen Kreis im Liegen, die Füße berührten sich in der Mitte. Atemübungen, bewusstes Zittern. Den Kopf hin und her schlagen, bis zur Erschöpfung. Der Verstand sollte Hausverbot bekommen. Später wurde das Licht ausgeschaltet. Die Nackten durften berühren, wen sie in der Dunkelheit ertasteten.“

Tausende junge Leute aus dem deutschsprachigen Raum folgten dem Tagebuchschreiber nach und ließen sich vom Meister persönlich die so genannte Mala umhängen, ein in Edelholz gefasstes Porträt Bhagwans. Uns war natürlich klar, dass unsere alleinerziehende Mutter eine solche Indienreise ins „Ich“ niemals erlauben würde.

Ausbüchsen wollten wir aber auch nicht. Also kleideten wir uns ersatzweise ebenfalls in orangerot und trugen die Holzperlenketten aus dem Braunschweiger Afghanladen dann eben ohne das Bildnis des Meisters. Ja, wir bastelten uns einen spirituellen Weg auf dem Swami-Satyananda-Pfad. So gewandet lernten wir in einer Teestube den damals 19-jährigen Herman Vieljans kennen, über den wir viel später im Stern lasen, er wäre Punker in New York und Sanyasin bei Bhagwan gewesen. Einer aus unserer Runde hatte es also doch noch geschafft.

Wir besorgten uns sogar die Musik, von der Andrees Elten in seinem Tagebuch erzählte. Musik, die er sich in seiner kargen Klause in diesem exotischen Ashram vom Tonband abgespielt hatte. Wir hörten stundenlang die Osterchöre Rachmaninovs, die ihn so tief in der Seele trafen und uns dann natürlich ebenso.

Irgendwann kehrten die ersten Jünger aus Poona zurück und die, die nicht an diesem Selbstfindungstrip zerbrachen, gründeten eigene Ashrams in Deutschland. Mit 18 Jahren war es dann endlich so weit, schwer verliebt fuhr ich mit einer um ein paar Jahre älteren Freundin nach Bremen in so ein Haus. Ich saß auf dem Sozius hinter dieser Mittelscheitelfrau, umklammerte ihre Motorradleder-verpackte Hüfte, während wir auf ihrer Yamaha XT 500 durch eine norddeutsche Novemberlandschaften knatterten.

Die Rotgewandten empfingen uns lachend, fast so, als hätte man schon auf uns gewartet. Wir schliefen und wir aßen dort. Früh am nächsten Morgen fand die dynamische Meditation statt, genauso, wie sie Andrees Elten beschrieben hatte. Ein Tanzen, ein Alles-heraus-schreien, ein Akt der Befreiung sollte es sein. Aber ich kniff feige, nur meine Eroberung nahm hinter den dann für mich fest verschlossenen Türen daran teil. Mit verbundenen Augen und halbnackt, so erzählte sie anschließend begeistert, schlugen die Teilnehmer auf weiche Kissen ein und alles heraus, was sie bedrängte, einzwängte, was eben raus musste.

Ich war heilfroh, als wir endlich weiter an die Nordseeküste fuhren. Für nichts in der Welt, nicht einmal für den persönlichen Seelenfrieden, hätte ich diese Frau noch weiter teilen wollen mit diesen zwar ausgeflippten, aber doch so viel cooleren Bhagwan-Jüngern. Ja, es war egoistisch, ja, ich war wohl noch nicht bereit. Aber so endete mein Weg zum indischen Meister schon in Bremen.

Jörg Andrees Elten hat neben seinen wohl hunderten von Reportagen für den Stern ein paar Bücher mehr geschrieben, aber sein „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ wurde zum wichtigen Puzzlestück der Rezeption der Befindlichkeiten der Bundesrepublik der 1980er Jahre und gilt heute, wie der Spiegel 2012 schrieb, als Bibel der Bewegung. „22 Jahre nach dem Tod des Meisters ist die Bewegung auf allen Kontinenten recht vital (…)Die Lehren des Meisters sind weltweit präsent. Oshos Schrifttum, in 47 Sprachen übersetzt (…) Jahr für Jahr pilgern Abertausende Sannyasins in die Kathedralen der Bewegung.“

Übrigens, auch der Philosoph Peter Sloterdijk war damals in Poona und erzählte über Bhagwan, man konnte ihn täglich von neun bis elf in der Großen Halle sehen und hören: „Er stieg aus seinem lautlosen Auto, setzte sich auf seinen weißen Sessel, schloss eine Minute die Augen, dann kommentierte er mit infernalischem und seraphischem Humor die spirituelle Weltliteratur durch, von den heiligen Schriften der Inder bis zu Nietzsche, ohne Pause, ohne den geringsten Versprecher und ohne irgendwas abzulesen. Uns konnte das gar nie lang genug dauern, weil sein Indo-Englisch so kurios, so melodisch, so tiefsinnig war, und zugleich so narkotisch einfach.“

Unter der Betreffzeile „Grüße aus Stellshagen“ bekam ich 2008 einmalig einen Newsletter von Jörg Andrees Elten, der so endete:

„Tatsächlich ist das Ungleichgewicht zwischen Gott und Geld das Grundübel unserer Zeit. Die Macht des Geldes durchdringt und korrumpiert unsere Institutionen in Politik, Wirtschaft und Kultur – vor allem beherrscht sie die Köpfe der Menschen. Schlägt das Pendel jetzt zurück? Wir wissen es nicht. Aber wir haben die Chance, dem Pendel einen kleinen Schubs zu geben.“

Nun ist Jörg Andrees Elten im gesegneten Alter von 89 Jahren gestorben. In den 1980er Jahren hatte er besagtem Pendel mit nur einem Buch einen ordentlichen Schubs gegeben und das Leben vieler Sinnsucher in anhaltende Schwingungen versetzt. Sloterdijk führt sogar seine Schriftstellerei direkt auf diese Erfahrungen von 1978-1980 im indischen Poona zurück. Und Elten hat den Weg dafür bereitet.

In einer seiner letzten Kolumnen für die Oshotimes heißt es 2011:

„Es schneit und schneit. Klirrender Frost. Eisiger Wind aus Nordost. (…) Ich ziehe mich warm an, klemme mir eine Flasche Nuss-Likör unter den Arm und breche zu meiner Nachbarin Hilde auf, um ihr frohe Weihnachten zu wünschen. Kaum aus dem Haus, versinke ich fast bis über zur Hüfte im Schnee. Schon von weitem sehe ich: Aus Hildes Schornstein dringt weißer Rauch. „Die hat‘s gut“, denke ich, „die hat noch Ofenheizung.“

Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass am Ende eines spirituellen Weges die banalen Dinge des Lebens heller strahlen. Vielleicht deshalb, weil man gelernt hat, sie zu genießen: Ein Besuch bei der Nachbarin, ein Nusslikör und ein warmer Ofen. Was für ein schöner Dreiklang zum Abschied.

„Die Abschiedsfeier fand am Samstag, 1. April, um 11 Uhr in der Kirche Damshagen statt. Satyananda wünschte sich ausdrücklich “ … keine schwarzgekleideten Menschen mit ernster Miene.“

Alexander Wallasch, www.tichyseinblick.de


Verbinden Sie sich mit der Erde

„Und doch lässt etwas Kirschen blühen im April.“ (Konstantin Wecker)

Earthing bedeutet, sich wieder mit der Erde zu verbinden. Der moderne Mensch aber lebt längst getrennt von seinem eigenen Planeten – und wird immer häufiger krank. Wenn wir jedoch die Verbindung zu Mutter Erde wieder aufnehmen, kann uns ihre heilende Energie dabei helfen, wieder gesund und heil zu werden. Und wenn Sie beim Wort Energie an esoterischen Klamauk denken, dann werden Sie überrascht sein, wie gut und schnell Earthing hilft. Sie müssen es nur ausprobieren. Earthing ist sehr leicht umzusetzen. Es kostet nichts und steht daher jedem Menschen zur freien Verfügung. Wie aber funktioniert Earthing? Und auf welchen Wirkmechanismen beruht es?

Unsere Erde ist ein wunderbarer Planet – voller Schönheit und Faszination. Neben all den Dingen, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, schenkt die Erde uns auch Vieles, das wir weder sehen, riechen, fühlen noch hören können: Heilsame Energien. So ist die elektrische Ladung der Erde für unseren Körper sehr wichtig und entscheidet mit, wie wir uns fühlen. Die Erdladung ist negativ – was aber nicht heisst, dass sie schlecht ist, sondern dass sie voller freier negativ geladener Elektronen ist und somit eine negative Ladung aufweist.

Dies ist etwa vergleichbar mit dem Minus-Pol einer Batterie. Hat man nun einen direkten und vor allem elektrisch leitfähigen Kontakt zur Erde, kann der Körper die so heilsamen freien Elektronen der Erde aufnehmen. Meist aber haben wir keinen direkten Kontakt mehr zur Erde. Wir tragen Schuhe, schlafen in Betten und sitzen auf Stühlen oder in Autos. Nirgendwo ist der Kontakt zur Erde da. Wir haben uns von unserem eigenen Planeten getrennt und tun alles, um den Kontakt zu ihm zu unterbinden.

Wenn wir nun die Verbindung mit der Erde wieder herstellen, dann nennt man das „Earthing“ oder „Grounding“ – oder zu Deutsch „heilendes Erden“. Das Energiefeld der Erde verhindert sodann jegliche statische Aufladung des Körpers, verbindet uns mit den natürlichen Rhythmen der Erde und schützt uns vor der positiv geladenen Erdatmosphäre. Der wichtigste Wirk-Mechanismus des Erdens dürfte die Verhinderung von Schäden durch freie Radikale sein.

Ständig ist unser Körper sogenannten freien Radikalen ausgesetzt. Im Grunde sind freie Radikale nicht schlecht. Sie entstehen als natürliches Produkt beispielsweise während der Atmung oder bei körperlicher Betätigung. Der Körper kann sie problemlos neutralisieren – und das Problem ist gebannt.

In früheren Zeiten spielte sich ein Grossteil des Lebens draussen ab: Der Mensch hatte praktisch ständig Kontakt zur Erde. Er sass auf dem Erdboden, während er das Essen zubereitete oder es verspeiste. Er schlief auf der Erde. Und auch beim täglichen Gehen oder Laufen kam er ständig in den Genuss der Heilkraft unseres Planeten, gab es doch noch keine Schuhe aus Plastik oder mit Gummi-Sohlen, die elektrisch nicht leitfähig sind. Stattdessen ging man barfuss oder trug allenfalls Schuhwerk aus Leder, das im trockenen Zustand zwar nur bedingt leitfähig ist, im nassen Zustand aber einen Austausch der Elektronen zulässt. Und im feuchten Gras, bei Regen, im Winter und in der Morgen- und Abenddämmerung waren die Schuhe früher schnell durchnässt und somit leitfähig.

Heute spielt sich unser Leben zunehmend in geschlossenen Räumen ab – abgeschirmt durch Holz- oder Plastikböden. Selbst die Aussenwände unserer Häuser sind zunehmend in nicht-leitende Wärmedämmungen aus Plastik gehüllt. Wir schlafen auf erhöhten Betten, die aus isolierenden Materialien, wie etwa Holz gefertigt sind.

Wenn wir dann einmal draussen in der freien Natur sind, gehen wir mit Schuhen, die jeglichen elektrischen Kontakt zur Erde unterbinden. Wir sitzen auf Picknick-Decken aus Kunststoffgeweben, und selbst wenn wir uns ausnahmsweise einmal direkt auf die Erde setzen, besteht unsere Kleidung meist ebenfalls zu einem hohen Anteil aus nicht-leitfähiger Kunstfaser. Wir schneiden uns also selbst von der Energieversorgung und dem heilenden Elektronenfluss der Erde ab.

Barfuss gehen ist die einfachste Art, uns wieder mit der heilenden Energie der Erde zu verbinden. Dabei ist es egal, ob wir auf einer Wiese, am Strand, auf Beton oder auf dem Gehweg gehen, denn sie alle sind elektrisch leitfähig, verbinden uns daher mit dem Energiefeld der Erde und versorgen uns mit freien Elektronen.

Wann immer Sie können, sollten Sie also Ihre Schuhe ausziehen und Hautkontakt mit unserem wunderbaren Planeten herstellen. Diese „Elektronentherapie“ ist fast überall möglich und völlig kostenfrei! Viele alte Techniken zur Stärkung des Körpers nutzen das Wissen um die heilenden Eigenschaften unserer Erde: So werden etwa Yoga, Tai-Chi und Qi Gong traditionell im Freien und ohne Schuhe durchgeführt.

Sind Sie schon einmal an einem heissen Tag in einen wunderbar kühlen Bergsee gesprungen? Das Gefühl der Lebendigkeit ist unbeschreiblich! Nutzen Sie daher natürliche Seen und Gewässer – und zwar auch im Frühling und im Herbst, wenn das Wasser noch frisch ist. Einer der Gründe für die unglaublich belebende und energetisierende Wirkung natürlicher Gewässer ist wohl der Umstand, dass Wasser ein sehr leitfähiges Medium ist. Im Wasser sind wir praktisch mit dem ganzen Körper in Kontakt mit unserem wunderbaren Planeten und können uns mit der Energie der Erde vollkommen verbinden. Auch das Laufen oder Kneippen in einem Bach verbindet uns hervorragend mit dem Elektronenfeld der Erde.

Die positiven Eigenschaften und Auswirkungen des Earthings auf die Gesundheit wurden inzwischen auch in wissenschaftlichen Studien bestätigt. So untersuchten etwa Forscher der Universität von Kalifornien und der Universität von Oregon im Jahr 2015 den Effekt des Earthings auf die Wundheilung und das Entzündungsgeschehen im Körper. Sie kamen zu dem Schluss, dass heilendes Erden sowohl die Wundheilung und die Immunantwort verbesserte, als auch Schmerzen und Entzündungsparameter im Blut deutlich verringerte.

Schon im Jahre 2010 untersuchte man in einer doppelblinden Studie an 28 gesunden Frauen und Männern verschiedene Laborwerte vor und nach dem Earthing sowie ohne Earthing. Die Earthing-Sitzungen bzw. Placebo-Sitzungen dauerten jeweils 2 Stunden. Untersucht wurden die folgenden Werte: Hautwiderstand (zur Einschätzung des Erregungs- bzw. Entspannungsgrades), Sauerstoffgehalt des Blutes, Atemfrequenz, Pulsrate und Perfusionsindex (Durchblutungswert).

In der Earthing-Gruppe regulierten sich alle Werte. Der Hautwiderstand sank sofort, während er in der Placebo-Gruppe bei allen Teilnehmern stieg. Der Sauerstoffgehalt des Blutes stieg in der Earthing-Gruppe plötzlich nach der Sitzung. Auch Puls- und Durchblutungswerte verbesserten sich während des Earthings und blieben anschliessend im optimalen Bereich.Die Energie der Erde kann selbstverständlich bei jeder Krankheit lindernd wirken und helfen.

www.zentrum-der-gesundheit.de


Gesund durch Impfen?

„Denn es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ (Goethe)

Als vor über vier Jahren unser Sohn geboren wurde und ich den Impfkalender in die Hand bekam, war schon mein erster Gedanke: Ja sind die denn wahnsinnig!?
Empfohlen wurden 33 Impfungen (verteilt auf fünf Mehrfachimpfungen) schon im 1. Lebensjahr! Und bis zum 17. Lebensjahr noch mal so viele, und so geht das munter weiter ein Leben lang, wenn man die empfohlenen Auffrischungen mitmacht! Tendenz steigend! Ist das gesund?

Eine Freundin von mir, die ihr Leben lang noch keine einzige Impfung bekommen hat und auch noch nie ein Antibiotikum gebraucht hat, hat mir ein Buch empfohlen von Dr. Martin Hirte: Impfungen pro und contra. Ich war sehr froh, dass dieser Herr Hirte sich die Mühe gemacht hat, viele Studien zum Thema Impfungen weltweit zu recherchieren, und dem Leser auch noch zu erklären, wie Impfungen funktionieren. Dabei positioniert er sich nicht als Impfgegner, was mir auch sympathisch ist. Aber die Fakten, die er recherchiert hat, sind schon teilweise erschütternd. Ich kann hier natürlich nur einen kleinen, oberflächlichen Ausschnitt davon vermitteln:

Zunächst einmal fand ich es sehr spannend zu erfahren, wie Impfungen funktionieren. Die Erreger werden mit Formaldehyd so weit abgeschwächt, oder auch gentechnisch verändert, dass sie die Krankheit nicht mehr auslösen können (sollten), aber trotzdem zu einer Antikörperbildung führen. Und genau hier liegt die Schwierigkeit, die in den Medien und der Werbung kaum eine Erwähnung findet: Unser Immunsystem ist auch nicht blöd. Es erkennt nämlich, dass dieser abgeschwächte Erreger gar nicht gefährlich ist und bildet keine ausreichenden Antikörper. Die Impfmittelhersteller fügen deswegen die sogenannten Adjuvantien bei Totimpfstoffen zu, um das Immunsystem zu einer Antikörperbildung zu stimulieren. Diese Adjuvantien enthalten Aluminium – früher war es Quecksilber – beides Nervengifte! Nun kann man natürlich sagen: Ist doch nicht so viel – aber wenn man die ganzen empfohlenen Impfungen mal zusammen rechnet und dann auch noch das geringe Körpergewicht eines Babys dazu kalkuliert, ist es doch gar nicht mehr so wenig! Wenn man sich am amerikanischen Grenzwert orientiert, wird er schon alleine von einer einzigen 6-fach Impfung um das 60-Fache überschritten!

An der Stelle möchte ich dann noch gleich die sogenannten Nebenwirkungen oder die Impfschäden kurz streifen. Die anerkannten Impfschäden sind: Allergischer Schock, stundenlanges schrilles Schreien und Enzephalopathie (Gehirn-Erkrankungen), Enzephalitis und Tod, (es gibt auch Statistiken, die den plötzlichen Kindstod mit Impfungen in Zusammenhang bringen), Nervenschäden, Arthritis, Diabetes mellitus, chron. Darmerkrankungen, Makrophagische Myofasziitis und Autoimmunerkrankungen, wenn sie im direkten zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten sind. Wenn nicht, dann denkt doch kaum noch einer an die Impfungen!

Mir war auch vorher gar nicht so bekannt, dass die Impfungen gar nicht den 100% Schutz vor Krankheiten bieten. Z.B. die Impfungen gegen Viren sind sehr umstritten, weil die Viren sich so schnell verändern. Die Impfungen gegen Kinderkrankheiten ( Masern, Mumps, Röteln) haben auch noch einen anderen unangenehmen Nebeneffekt: Die Impfung bietet keinen lebenslangen Schutz, im Gegensatz zu der durchgemachten echten Erkrankung. So haben sich die Kinderkrankheiten nun etwas in das Erwachsenenalter verlagert, und da ist die Rate der Komplikationen wesentlich höher!

Das Meldesystem bei uns in Deutschland für mögliche Nebenwirkungen und Impfschäden ist leider auch sehr schlecht. Vermutlich werden in Deutschland nur 10-15 % der Verdachtsfälle überhaupt gemeldet! Noch dazu kommt, dass der Beweis eines Impfschadens nicht so leicht ist – da gibt es auch genügend traurige Beispiele, wie viele Jahrzehnte es gedauert hat, bis so ein Impfschaden anerkannt wurde.

In dem Buch „Impfen, bis der Arzt kommt“ von Dr. med. Klaus Hartmann, ein Experte für Impfschäden, durfte ich erfahren, dass die Studien, die zur Impfstoffzulassung gemacht werden müssen sehr zweifelhaft ausgeführt werden. Zum Beispiel wird die sogenannte Placebo-Gruppe nur mit den Adjuvantien geimpft! Dadurch sind die Nebenwirkungen in der Placebo-Gruppe genau so hoch, wie in der Impfstoff-Gruppe, und fatalerweise wird daraus geschlussfolgert, dass der Impfstoff somit nicht zu nennenswerten Nebenwirkungen führt, weil die Placebogruppe ja genau so viele Reaktionen zeigt!

In der Geschichte der Impfungen hat es schon einige Pannen gegeben. Erreger waren nicht genug abgeschwächt, so dass sie die Krankheit selber verursacht haben! Der Polio-Impfstoff vor ca. 50 Jahren wurde unter anderem aus Affennierenzellen gewonnen, wo man später einen krebserregenden Virus drin entdeckte. Manche Impfstoffe (z.B. Hexavac) sind mit fadenscheinigen Begründungen wieder vom Markt verschwunden, nachdem einige Todesfälle aufgetreten waren.

Es gibt inzwischen einige Fachleute, die befürchten, dass diese viele Impferei früher oder später zu Autoimmunerkrankungen* führen kann, dabei greift das Immunsystem den eigenen Körper an. Und wenn man nur ein bisschen gesunden Menschenverstand an den Tag legt, dann ist das ziemlich ersichtlich.
(* ASIA-Syndrom = autoimmune syndrome induced by adjuvants )

Unser Immunsystem hat sich über Jahrmillionen entwickelt und die Erreger auch. Dieses System ist sehr komplex und auch sehr individuell. Wie können die Beführworter des Impfens es sich anmaßen in ein Baby-Immunsystem so bedenkenlos einzugreifen? Noch dazu, wo die Babys auf natürlichem Wege Antikörper über die Muttermilch bekommen! Und ist die Wahrscheinlichkeit, eine dieser grässlichen Erkrankungen schon als Baby zu bekommen so groß? Nein, sie ist es nicht! Einige dieser „alten“ Krankheiten waren früher deswegen so schlimm, weil die Lebensbedingungen viel schlechter waren. Bei Tetanus kann man sagen, dass er deswegen mehr aufgetreten ist, weil die Wundversorgung viel schlechter war, besonders im Krieg.

Warum wird so viel mit Angst und Druck manipuliert, dass wir uns und unsere Kinder auf jeden Fall impfen lassen? Es geht ums Geld. Die Impfungen bekommen längere Patente als andere Arzneimittel – ein Millionengeschäft! Übrigens wird der Arzt für das Impfberatungsgespräch von den Krankenkassen honoriert – aber nur, wenn er dann auch geimpft hat!

Ich sehe die Impfungen wie das Antibiotikum. Es ist gut, dass wir die Möglichkeit haben. Aber wenn es missbraucht wird, dann zahlen wir mit unserer Gesundheit!
So wie sich durch das Antibiotikum viele resistente Erreger gebildet haben, so belegen nun andere Erreger die Nischen, die das Impfen geschaffen hat. Und im Grunde kommt dabei raus, das alles eine Frage des guten Immunsystems ist! Einem intakten Immunsystem, kann der schlimmste Erreger nicht viel anhaben. Aber dafür wird in unserem Gesundheitssystem nicht viel gemacht.

Ist es denn überhaupt möglich eine individuelle Impfentscheidung zu treffen? Das wird uns zusehens schwerer gemacht, weil immer mehr Mehrfachimpfstoffe auf den Markt gebracht werden, und die Einzeldosen mit so viel Aluminium bestückt sind, dass sie keine Alternative darstellen. Was man seinem Kind aber schon mal gutes tun kann ist, dass man später mit dem Impfen anfängt.

So unerfreulich das Ganze auch ist, so hat es mich aber auch zu mehr Vertrauen in das Immunsystem gebracht. Denn ich vertraue doch lieber dem von Natur aus gutem Immunsystem als der Pharmaindustrie.

Heike Sonnen, Physiotherapeutin
www.heike-sonnen.de
Quellen: M. Hirte: Impfen pro und contra
Klaus Hartmann: Impfen, bis der Arzt kommt
Empfehlenswert: www.impf-info.de von Dr. Steffen Rabe


Lebenskunst – Am falschen Ende gesucht?

„Wir sind eine Gesellschaft von Süchtigen, denn wir bedienen uns nicht mehr der Dinge, sondern die Dinge haben uns in der Hand.“ – Konstantin Wecker

Wonach suchen wir eigentlich die ganze Zeit? Von außen betrachtet haben wir –zumindest in der westlichen Welt – scheinbar alles. Dennoch sind wir auf der Suche nach mehr. Was ist es, das uns immer weiter suchen lässt? Ist es die Unfähigkeit, zufrieden zu sein, nicht erfüllt zu sein?

Viele Menschen sind von irgendetwas abhängig, seien es Alkohol, Zigaretten, Zucker, Computerspiele, das Internet oder der Kaufrausch. Nur allzu leicht verheddern wir uns in einem ewigen Wiederholungsdrang oder -zwang. Auch wenn die Gründe dafür ganz verschieden und individuell sein können, liegt dem meistens eine Suche oder eine Sehnsucht zugrunde.

Warum sind wir nicht einfach mit dem zufrieden, was wir haben? Geprägt in einer Gesellschaft, die im Wesentlichen nicht auf menschlichen, sondern wirtschaftlichen Werten aufgebaut ist, haben viele von uns schon in jungen Jahren gelernt, sich eher anzupassen, als auf die eigenen Sehnsüchte zu hören und dem eigenen Lebenssinn zu folgen. Später im Leben tappen wir folgerichtig in die Konsumfalle, oder rennen wie der Hase der immer zu hoch hängenden, unerreichbaren Möhre nach, anstatt unserem Lebensweg zu folgen.

Erfüllte Gefühle sind durch Betäubung nicht zu erreichen.Das Einzige, was uns wirkliche Freude und Zufriedenheit bringen kann, ist die Entdeckungsreise zu uns selbst. Begreifen wir diese Entdeckungsreise als eine wesentliche Antwort auf die Frage, warum wir auf diesem Planeten sind, und üben uns darin, diese Entdeckungsreise zu vertiefen und auszufüllen, folgt eine natürliche Erfüllung. Es ist ein ständiger Prozess der Verfeinerung und Weiterentwicklung, deren Gefühl der Erfüllung auf einer völlig anderen Ebene liegt als das des schnellen Rausches.

Diese Reise, diese Suche, ist stark mit der Frage verknüpft „Was will ich?“. Fragen und beantworten wir sie immer wieder aufs Neue, kommen wir dem Kern unserer Lebensreise näher und näher. Erlauben wir es uns, dieser Frage wirklich auf den Grund zu gehen, kann sie uns zu einer sehr gesunden Form der Suche führen, die unserem menschlichen Sinn und Zweck gerecht wird.

Was aber, wenn wir die Frage nach dem „Was will ich?“ jedes Mal mit einem Stück Kuchen beantworten und unsere Suche dort endet? Wenn die Sucht einen so großen Raum in unserem Leben eingenommen hat, dass wir an solchen automatisierten Antworten nicht mehr vorbeikommen, können wir nur noch schwer in tiefere Schichten unserer Selbst vordringen und mit unserem Wesenskern in Verbindung treten. Die profaneren Ebenen unseres Lebens haben durchaus ihren Platz und ihre Berechtigung, doch es war nie so gedacht, dass wir ausschließlich auf ihnen hängen bleiben.

Diese Erde ist aus spiritueller Sicht eine Zwischenstation für uns. Sie ist unser Trainingsfeld für die weitere Reise. Ein gutes Trainingsfeld. Es ist ein wunderbar angelegter Ort, um zu forschen, zu entdecken, zu erleben, uns zu verändern und weiterzuentwickeln. Und doch war es nie Teil des göttlichen Plans, dass wir in uns in der planetarischen Erscheinungswelt fixieren in dysfunktionalen Gewohnheiten und Süchten.

Wie also aus dem Kreislauf von Sucht und Gewohnheit ausbrechen?
Es gibt in der Natur keine Kreisläufe, die in sich selbst aufrechterhalten werden. Sonst wäre das Perpetuum Mobile bereits erfunden. Jeder Kreislauf benötigt einen externen Stimulus, der ihn im Gang hält. So kann ein Auto nicht fahren, wenn es nicht ständig mit einem Zündfunken versorgt wird. Lockere ich die Zündkerze, wird der Zündfunke unterbrochen, und der Motor kann nicht weiterfahren. Die verblüffende Entdeckung, die Amir Weiss machte, ist, dass es über das feinstoffliche Feld des Menschen möglich ist, den externen Stimulus so stark zu beruhigen, dass Menschen sich nach einer Suchtbehandlung sehr, sehr entspannt fühlen und dem jeweiligen Suchtmittel entweder gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen.

Joachim Deichert, www.weiss-institut.de

Die Glocken der Achtsamkeit

Wenn das, was in uns geschieht, Verzweiflung ist, müssen wir das erkennen und sofort handeln.
(Thich Nath Hanh)

Die Glocken der Achtsamkeit ertönen. Überall auf der Erde erleben wir Überschwemmungen, immer ausgedehntere Dürreperioden und verheerende Flächenbrände. In der Arktis schmilzt das Eis, während andernorts Tausende durch Wirbelstürme oder Hitzewellen getötet werden. Die Wälder schwinden und die Wüsten dehnen sich aus. Tagtäglich sterben ganze Arten aus, und doch konsumieren wir weiter und missachten den Klang der Glocken.
Wir alle wissen, dass unser schöner, grüner Planet in Gefahr ist. Die Art und Weise, wie wir über diese Erde gehen, hat einen großen Einfluss auf Tiere und Pflanzen. Doch wir verhalten uns so, als ob unser Alltagsleben nichts mit dem Zustand der Welt zu tun hätte. Wir sind wie Schlafwandler, die nicht wissen, was sie tun oder wohin sie unterwegs sind. Ob wir erwachen können oder nicht, hängt davon ab, ob wir achtsam über unsere Mutter Erde zu gehen vermögen. Die Zukunft allen Lebens, einschließlich unseres eigen, hängt von unseren achtsamen Schritten ab. Wir müssen die Glocken der Achtsamkeit hören, die überall auf unserem Planeten zu hören sind. Wir müssen lernen, so zu leben, dass für unsere Kinder und Enkelkinder eine Zukunft möglich sein wird.

Ich habe den Buddha über die Erderwärmung zu Rate gezogen. Seine Lehre ist sehr klar und eindeutig. Wenn wir weiterhin so leben, wie wir es bisher getan haben, und ohne irgendeinen Gedanken an die Zukunft einfach konsumieren, unsere Wälder zerstören und gefährliche Mengen von Kohlendioxid ausstoßen, dann wird ein verheerender Klimawandel unvermeidbar sein.. Unser Ökosystem wird größtenteils zerstört werden. Der Meeresspiegel wird ansteigen und die Küstenstädte werden überflutet werden. Hunderte Millionen Menschen werden zu Flüchtlingen, was zu Kriegen und zum Ausbruch ansteckender Krankheiten führen wird.

Wir brauchen eine Art kollektiven Erwachens. Es gibt unter uns Männer und Frauen, die bereits aufgewacht sind, doch das genügt nicht, denn die meisten Menschen schlafen immer noch. Wir haben ein System geschaffen, das wir nicht kontrollieren können, das uns beherrscht und dessen Sklave und Opfer wir geworden sind. Die meisten von uns, die ein Haus, ein Auto, einen Kühlschrank, einen Fernseher usw. haben wollen, müssen dafür ihre Zeit und ihr Leben opfern. Wir stehen ständig unter Zeitdruck. Früher war es uns noch möglich, drei Stunden in einer entspannten, spirituellen Atmosphäre mit einer Tasse Tee in Gesellschaft von Freundinnen und Freunden zu verbringen. Wir konnten ein Fest veranstalten, um das Blühen einer einzigen Orchidee in unserem Garten zu feiern. Aber heute können wir uns das alles nicht mehr leisten. „Zeit ist Geld!“ heisst unser Motto. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden; eine Gesellschaft, in der wir so in unsere eigenen unmittelbaren Probleme verstrickt sind, dass wir es uns nicht leisten können, dessen gewahr zu sein, was mit dem Rest der Menschenfamilie oder unserem Planeten Erde geschieht. Ich muss da an Hühner in einem Käfig denken, die sich erbittert über einige Körner streiten und denen gar nicht bewusst ist, dass sie in wenigen Stunden alle geschlachtet werden.

In China, Indien, Vietnam und anderen Schwellen- oder Entwicklungsländer träumen die Menschen noch immer den „amerikanischen Traum“. Als ob dessen Erfüllung das letzte Ziel der Menschheit wäre – jeder muss ein eigenes Auto haben, ein eigenes Bankkonto, ein eigenes Mobiltelefon, einen eigenen Fernseher. In 25 Jahren wird die Einwohnerzahl Chinas auf 1,5 Milliarden Menschen gestiegen sein. Wenn jeder von ihnen ein eigenes Auto fahren möchte, wird China tagtäglich rund 16 Milliarden Liter Öl benötigen. Aber die Weltproduktion liegt augenblicklich nur bei zirka 13 Milliarden Liter am Tag. Demzufolge ist für China, Indien, oder Vietnam der amerikanische Traum nicht zu verwirklichen. Er wird nicht einmal mehr für die Amerikaner möglich sein. Wir können nicht so weiter leben wie bisher. Solch eine Wirtschaft ist nicht zukunftsfähig.

Wir müssen einen anderen Traum haben, einen Traum von Brüderlichkeit, Schwesterlichkeit, von liebender Güte und Mitgefühl. Ein solcher Traum ist im Hier und Jetzt zu verwirklichen. Wir haben die Lehre des Buddha, wir verfügen über die Mittel und genügend Weisheit, um diesen Traum leben zu können. Das Herz des Erwachens, der Erleuchtung, ist Achtsamkeit. Wir üben uns in achtsamem Atmen, damit wir im gegenwärtigen Augenblick verweilen und erkennen können, was in uns und um uns herum geschieht. Wenn das, was in uns geschieht, Verzweiflung ist, müssen wir das erkennen und sofort handeln. Vielleicht möchten wir diesem geistigen Gebilde nicht gerne begegnen, aber es ist Wirklichkeit, und diese Wirklichkeit müssen wir zunächst einmal anerkennen, um sie dann umwandeln zu können.

Thich Nhat Hanh, aus „Die Welt ins Herz schließen“, Kamphausen bzw. „Spirituelle Ökologie“, Neue Erde (dieser Text wurde erstmals 2009 übersetzt veröffentlicht)

Bewusste Sexualität?!

„Wenn die Frau als Mutter ihre Sexualität nicht auf natürliche Weise leben kann, wie sollen dann die Kinder einen natürlichen sexuellen Ausdruck lernen?“ (Diana Richardson)

Nein, bewusste Sexualität ist nicht das Gleiche wie Blümchensex, sie ist auch nicht körperlos oder lustfeindlich, schon gar nicht unsinnlich oder prüde, ganz im Gegenteil: Bewusste Sexualität bringt Körper, Seele und Geist auf nährende und befriedigende Art zusammen – und das macht nicht nur Spaß, sondern Lust und tiefe Freude.

Drei Dinge verbindet Menschen aller Kulturen, Generationen und Zeitalter miteinander: Die Suche nach Glück, die Notwendigkeit, gut zu essen und der Wunsch nach befriedigender Sexualität. Wobei zu mutmaßen ist, dass die Suche nach Glück und der Wunsch nach erfülltem Sex in jedem Fall eine nicht ganz unerhebliche Schnittmenge bildet.

Tatsächlich zeigt der Buchmarkt als Indikator für gesellschaftlich relevante Inhalte, dass alle drei Themen die Gemüter der Menschen bewegen: Zum Thema Glück wie zum Thema Ernährung stapeln sich die Ratgeber und die Attribute Achtsamkeit oder auch Bewusstheit finden sich erstaunlich oft in Titeln wie in Inhalten. Nur im Bereich Sex, der sich als Thema bekanntlich besser verkauft als alles andere und die Menschen noch mehr beschäftigt als Glück und gutes Essen – in dem Bereich geht es merkwürdigerweise nicht um bewusste Achtsamkeit und Liebe, sondern um permanente Ekstase, um Pornografie und Sado-Maso-Praktiken, multiple Orgasmen und ähnlich vielversprechende Zustände. Was läuft da schief?

Es sieht so aus, als wäre das kollektive Credo unserer Industriegesellschaft, das Leistung und Erfolg zum Hauptziel und Sinn unserer Aktivitäten macht, nahtlos auf unseren Umgang mit Sexualität übergegangen. Die Überstimulation durch Waren und Angebote finden wir in der Suche nach ekstatischem, heftigem, schnellem und möglichst immer verfügbarem Sex wieder, Sexspielzeuge gehören beinahe zum guten Ton, Werbung für Parfum und Schokolade ist erotisch, beinahe pornografisch aufgeladen und wir finden das alles ganz normal. Und auch wenn wir es nicht normal finden, so sind wir dennoch davon umgeben und unsere inneren Bilder werden entsprechend geprägt. Aus der sexuellen Befreiung, die den verschämten Muff vergangener Zeiten überwinden wollte, ist eine gesellschaftliche Hochleistungssportart geworden, in der wir alle irgendwie versuchen müssen, mitzuspielen – am besten natürlich als Gewinner und beste Liebhaber. Zwischen heimlich verschickten Sexpaketen von Beate Uhse und Cybersex liegen Welten – Erfüllung findet sich meist weder in der einen noch der anderen Verpackung.

Mit erfüllter Sexualität und Liebe, mit Begegnung und echtem Kontakt, mit Achtsamkeit und Bewusstheit hat das alles leider meist wenig zu tun. Trauriges Fazit: Eine der kostbarsten menschlichen Ressourcen , nämlich die, mit allen Sinnen und genussvoll in unseren Körpern zu wohnen und dies miteinander zu teilen, wird hoffnungslos verschüttet.

Zum Glück geht es auch anders: Diana Richardson, Körper- und Sexualtherapeutin, gebürtig aus Südafrika, forscht seit mehr als 30 Jahren zur Frage: Was ist erfüllende, uns nährende Sexualität, wie kann Sex achtsamer, bewusster und sinnlicher gelebt werden und was müssen wir tun, um das zu lernen? Am Anfang ihrer Forschung stand natürlich die eigene Erfahrung und der Wunsch, körperliches und seelisches Erleben miteinander zu verbinden. Inspiriert von östlicher und westlicher Weisheit, u.a. von der Tantra-Schule Oshos und Barry Long, wollte sie dem Geheimnis des „Liebemachens“ auf die Spur kommen und war bereit, sich diesem Experiment auf allen Ebenen zu widmen.

Dabei entstand ein Seminarformat, das Making Love Retreat für Paare, das bis heute Bestand hat und junge wie alte, frisch verliebte und langjährig verbundene, harmonisch lebende wie in Krise befindliche, sprich: alle Paare einlädt, gemeinsam erfüllende und nährende Sexualität zu leben. Und das ist nicht immer einfach, denn die Bilder im Kopf, die Sex als Leistungssport definieren, sind fest verankert und nicht so leicht durch echtes Erleben zu ersetzen.

Slow Sex könnte als Synonym für Liebes-Sex verwendet werden, denn Schnelligkeit und achtsames Erleben schließen einander beinahe immer aus. Das Herz zu öffnen, den Körper wirklich im Moment zu spüren, die Begegnung, den Kontakt, die Bedürfnisse real entstehen zu lassen und wahrzunehmen, braucht Zeit. Deshalb ist Langsamkeit neben Bewusstheit und Achtsamkeit ein wesentliches Merkmal erfüllter Sexualität.

In einem Interview auf www.sein.de antwortet Diana Richardson auf die Frage, was ein zentrales Merkmal von Slow Sex sei, wie folgt: „Ich würde der Aussage zustimmen, dass, uns wieder mit dem Herzen und der angeborenen Weisheit des Körpers zu verbinden, tatsächlich alles ist, was wir tun müssen. Das eigentliche Problem liegt im Verstand, nicht im Herz oder dem Körper. Es ist unsere grundlegende Psychologie, die einem natürlichen Zugang zur Weisheit unseres Körpers im Wege steht. Ein Niveau von Unschuld und Präsenz ist erforderlich, damit die sexuelle Energie und Liebe spontan fließen kann. Die sexuellen Prägungen, die uns auf einer unbewussten Ebene beeinflussen, während wie wir aufwachsen, werden eine Form von „sexueller Konditionierung“. Es ist diese Schicht der Psyche, die den Zugriff auf unsere innere Weisheit verhindert. Also muss eine wirkliche Veränderung von Sex begleitet sein von einer grundlegenden Veränderung in der Psyche, der Art, wie wir Sex wahrnehmen und der Gründe, warum wir Sex haben.“

Slow Sex ermöglicht einem Paar, bewusst in Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen zu kommen und darin präsenter zu sein. Daraus entsteht eine echte, authentische Begegnung, weit entfernt von üblichen, zielorientierten Sexgewohnheiten, die häufig automatisch und mechanisch ablaufen, ohne tiefe Berührung. Die körperliche Liebe wird so zu einer natürlichen Ressource, es entsteht eine neue Basis für größere Nähe und echte Intimität. Bewusste Sexualität hat nichts mit Techniken und Ritualen zu tun, sondern mit Körperbewusstsein, echter Präsenz und Achtsamkeit. Sie reicht über die körperliche Ebene und das herkömmliche Verständnis von Sexualität hinaus – sie bringt für Männer und Frauen zusammen, was als große Sehnsucht in vielen schläft: die natürliche Verbindung von Liebe und Sexualität.

Zurück zur Eingangsfrage: Macht bewusste Sexualität denn auch Spaß?

Beantworten Sie doch einfach mal folgende Frage: Gefällt es Ihnen besser, im Rausch extreme Körpersensationen zu erleben, und vornehmlich auf das Ziel des Mega-Orgasmus (am besten natürlich multipel) ausgerichtet zu sein? Oder würde es Ihnen gefallen, wirklich DA zu sein mit allen körperlichen wie seelischen Empfindungen und Bedürfnissen und Zeit zu haben, diese in der Tiefe zu spüren und darüber im Austausch mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin zu sein? Vielleicht mögen Sie beides? Auch gut – dann können Sie das eine haben wie bisher und das andere neu entdecken.

Sich dem Experiment erfüllter Sexualität zu stellen, heißt weder, dem Orgasmus ganz abzuschwören noch Ekstase zu vermeiden – es heißt aber in jedem Fall, beides im Kontakt und Einklang mit sich und dem Gegenüber zu erleben – das stillt unsere Sehnsucht nach Liebe – und stellt Sport-Sex deutlich in den Schatten.

Fazit:
Menschen sehnen sich nicht nur nach Glück und gutem Essen, sondern darüber hinaus und alles andere überstrahlend, nach Liebe. Sexualität ist ihr körperlicher Ausdruck, bewusst gelebte Sexualität gibt den Körpern ihren Platz als Ausdrucks- und Erlebnisform zurück, verbindet Körper und Seele und macht glücklich. Und satt – auch wenn gutes Essen danach (und, je nachdem, auch davor) durchaus seine Berechtigung hat.

Ela Buchwald mit Conny Dollbaum

Asylwahnsinn gegen den Bewusstseinswandel der Menschheit

„Ich bin gespannt was als nächstes passiert.“ (Keith Richards)

Alles, was wir auf der Weltbühne „Erde“ momentan erleben, folgt einem höheren, aber in seiner Schwingung sehr niederem Plan. Die Destabilisierung Europas wird von den Finanzdiktatoren, den Herrschenden hinter den Regierenden, stark forciert und voran getrieben. Die Weichen dafür sind schon seit vielen Jahrzehnten generationenübergreifend gestellt worden. Denn diese Eliten, die das Finanzsystem vor einigen hundert Jahren zu ihren Gunsten konstruiert haben, fürchten um ihre Macht. Um diese zu erhalten, werden die Menschen weltweit gegeneinander aufgehetzt. Staaten und Regierungen werden systematisch destabilisiert, die Armut der Bevölkerung bewusst gefördert und Kriege unter falscher Flagge angezettelt. D.h. Menschen müssen vor der radikalen Staatsgewalt ihrer Länder flüchten und andere vor Krieg und/oder Armut und mangelnder Perspektive. So kommt es zum starken Flüchtlingsstrom nach Europa, insbesondere nach Deutschland.

Auch den Machthabern, und das sind nicht die offiziellen Regierungen, wissen, dass die Erde und mit ihr alle Lebewesen derzeit einen Bewusstseinswandel durchleben, der sich in den kommenden Jahrzehnten voll entwickeln wird. Die Menschen werden zunehmend bewusster und achten vermehrt die Natur als gottgegebenen Lebensraum. Übertriebene materielle Wünsche und ego-basierende Selbstverwirklichungen treten in den Hintergrund. Immer wichtiger im Bewusstsein vieler Menschen hingegen wird das eigene Seelenheil und die Gesundheit des eigenen Körpers. Dies setzt sowohl intensive Reflektionen des eigenen Lebens und all die im sozialen Gefüge erlernten Gewohnheiten und Muster als auch die Begegnung der eigenen Schatten voraus. Denn nur aus dem Schatten heraus kann das Licht erkannt werden. So verwundert es auch kaum, dass immer mehr Menschen „durchdrehen“ und ihren eigenen seelischen Infarkt erleben oder Depressionen erleiden. Die Schatten, und liegen diese noch so tief vergraben, wollen erkannt, angeschaut und somit erlöst werden. Wenn man sich dem eigenen Schatten nicht stellen will, könnte das Unglück ungefragt in das eigene Leben einziehen.

Der bevorstehende Bewusstseinswandel der Menschheit soll durch die Schrecken und menschlichen Schicksale weltweit von den Herrschenden hinter den Regierenden verhindert werden. Negative Nachrichten lassen sich umso leichter arrangieren, wenn es tatsächlich negative Anlässe gibt: „Hunderte Tote nach Kentern von Flüchtlingsboot, Ausländerfeindliche Anschläge auf Asylantenunterkunft, USA bezahlen Schlepperbanden für die Asylanten nach Europa“ lauten etwa die täglichen Schlagzeilen, die uns via Facebook und Twitter serviert werden. Der Flüchtlingsstrom, der für viele Europäer als das Ende des Abendlandes oder für die Unterwanderung der europäischen Kultur gilt, spaltet selbst das eigene Volk in zwei Lager. Es teilt sich momentan absurderweise in Flüchtlingssympathisanten und Flüchtlingshasser. Doch perfiderweise soll mit Angst und Schrecken versucht werden, einzig und alleine die geistige Transformation der Menschheit zu verhindern.

Denn nur wenn sich die Menschen weiterhin klein und hilflos und dem System ausgeliefert und von diesem abhängig fühlen, wird es den Herrschenden möglich sein, ihre Macht zu erhalten und zu festigen. Erkennen die Menschen aber ihre wahre Stärke und Liebe, sind sie frei und in der Lage, ihr Leben selbstbestimmend und verantwortungsbewusst in die Hände zu nehmen, auch im Kollektiv. Und dann ist kein Staat im heutigen Bewusstseinssinne mehr erforderlich. Denn dann werden die Dinge anders geregelt: mit mehr Liebe, Empathie und Dankbarkeit. Doch dann hätten viele macht- und geldbesessene Menschen keinen Job, und viel schlimmer, keine Existenzberechtigung mehr, was ihnen nicht besonders gut gefallen würde.

Und so brutal und fortwährend, von den Finanzdiktatoren kühl kalkuliert, der Flüchtlingsstrom nach Europa zieht, so schlimm sind die Schicksale hinter den Schlagzeilen. Denn es sind nicht minder echte Menschen, die hinter all den schrecklichen Geschichten stehen, die Gefühle haben, genauso wie wir Europäer. Ich selbst kenne die Flüchtlingsdramen aus erster Hand. Meine Mutter, damals noch ein Kind, wurde damals zusammen mit ihren Eltern während des Zweiten Weltkriegs als Deutsche aus ihrer Heimat Böhmen vertrieben. Wie wird es wohl sein, wenn man von heute auf morgen seine Heimat verlässt, das Nötigste zusammengepackt, gerade das, was man tragen kann, und nicht wissend, wo und wie man in der kommenden Nacht schläft? Und sie hatten noch Glück, denn viele wurden getötet, bevor sie ihre Häuser verlassen konnten.

Mit je mehr Ablehnung und Angst wir vor den (drohenden) Problemen stehen, desto mehr Energie und Macht geben wir den negativen Mächten, welche diese inszeniert haben. Wollen wir dies? Die vielen Probleme in der Welt können wir nur lösen wenn wir bei uns selbst anfangen. Schauen wir doch mal in unser eigenes Leben und in unsere eigene Seele. Wie viele Familien sind zerstritten? Welche Auseinandersetzungen haben wir mit Kollegen oder Nachbarn? Wer hat Schuld? Die haben natürlich immer die andern…, oder? Und was ist mit unserem Körper, der momentan sehr oft streikt und schmerzt? Statt die Ursache für unsere Krankheiten, die meist in unserer Seele zu finden ist, zu suchen, stopfen wir uns mit giftigen Medikamenten voll, um weitere Krankheiten zu fördern. Um ja nicht in unser Inneres zu schauen, denn das könnte uns schockieren.

Sich von den äußeren Geschehnisse nicht zu sehr herunter ziehen zu lassen und bei sich zu bleiben, ist nicht einfach, aber zwingend erforderlich, wenn wir die kollektive, geschürte und künstlich erzeugte Angst und Panik nicht in unser Bewusstsein integrieren wollen. Die geistige Empathie und tatkräftige Hilfe für Menschen in Not ist dennoch erforderlich! Damit ist nicht der Ruf nach der bedingungslosen Öffnung für Flüchtlinge gemeint, sondern vor allem die dringend notwendige geistige Auseinandersetzung, woher die Flüchtlingsproblematik überhaupt kommt und wer davon profitiert. Wir Menschen sind nicht so unfähig, wie wir immer glauben. Wir sind zu allem fähig, zu Krieg und Hass, aber auch zu Liebe und Empathie. Es wird Zeit, unser Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Und mit letzteren beiden Attributen funktioniert es besser als bisher.

Alex Miller, www.gehvoran.com/

Die Opferidentität

von Shai Tubali und Tim Ward

Was ist der Unterschied zwischen Lord Voldemort aus „Harry Potter“ und Saruman aus „Herr der Ringe“? Beide sind Bösewichte, aber sie entstammen unterschiedlichen literarischen Epochen, und die Natur ihrer Bösartigkeit unterscheidet sich grundlegend. Als Tolkien 1930 Saruman erschuf, war die Idee eines Zauberers, der sich mit dem Bösen vereinigte, um höchste Macht zu erreichen, äußerst plausibel. Dagegen gehört Lord Voldemort zu der Sorte „neuer Bösewicht“. In unserer heutigen Zeit sind Schurken im Grunde gute Menschen, die aufgrund durchlebter Traumen auf die schiefe Bahn geraten sind. So verließ laut der Geschichte um Harry Potter Lord Voldemorts Vater dessen Mutter, die kurz nach der Geburt des Kindes starb. Diese Wunde um den Verlust machte ihn zum Monster.
Zwei weitere Filmbeispiele veranschaulichen wunderbar die Psychologisierung des Bösen: Darth Vader, wie er in den Star Wars Folgen der 1970er Jahre erschien, verkörperte das pure, machtvolle Böse. Die Trilogie des 21. Jahrhunderts konzentrierte sich ausschließlich auf die psychischen Verletzungen, die Vader in seiner Kindheit erlitt, und wie seine durch den Tod der Mutter bedingte Angst ihn auf den dunklen Pfad führte. Beim Zauberer von Oz aus dem Jahr 1939 ist die böse Hexe unbarmherzig boshaft. In der modernen Version „Wicked“ wird sie zu einer sympathischen Heldin, die als Kind aufgrund ihrer grünen Hautfarbe geächtet wurde.
Der auf moderne Autoren und Filmproduzenten ausgeübte Druck, traumatische, psychologisch ausgefeilte Motive für ihre Schurken zu erdenken, deckt sich gänzlich mit der dominierenden Weltsicht unserer Zeit, dem liberalen Humanismus. Der liberale Humanismus sieht die Menschheit als grundlegend gut, und stellt die Psyche in den Mittelpunkt jeder menschlichen Existenz. So wurde unser inneres Gefühlsleben zum Heiligen Land – ein äußerst fragiles und sensibles Land, das endloser Pflege und Schutzes bedarf, seit der psychologischen Entdeckung, dass wir alle verwundete und zerbrochene Seelen sind, getrieben von Kindheitstraumen und Schmerz. Wir wollen niemanden verletzen; wir wollen niemands Selbstwertgefühl schwächen und wir wollen den Traumen anderer voller Mitgefühl begegnen.
Sensibilität ist gut, aber als Nebenprodukt haben wir das Konzept des verwundeten Selbst derart verinnerlicht als wäre es grundlegender Bestandteil der menschlichen Natur. In der Tat handelt es sich dabei um eine ganz neue Idee. Es wurde nie belegt. Stattdessen wurde es in unserer Kultur lediglich so oft wiederholt, dass wir es für wahr halten. Es findet sich in der Therapie, Selbsthilfe, alternativen Medizin, Spiritualität, Kunst, Unterhaltung und sozialen Bewegungen, sogar Gefängnisreformen wieder. Da diese Vorstellung innerhalb unseres Kulturkreises gänzlich angenommen wird, ist sie somit auch zum individuellen Denkmuster avanciert. Wir analysieren unsere Verhaltensmuster und fragen uns, wer uns womöglich verletzt haben oder welches Kindheitsdesaster unserer Unzufriedenheit zugrunde liegen könnte. Warum leiden wir oder lassen andere leiden? Welche Erinnerung liegt in den Tiefen unserer Vergangenheit begraben – etwas, das uns jemand angetan hat, ein Verwandter oder Klassenkamerad? Und der Sinn des Lebens? In unsere Traumen einzutauchen, unser zerbrochenes Selbst zu rehabilitieren und unsere Wunden zu heilen. Mit dieser ersehnten Heilung werden wir immerhin wieder zu der guten Person, die wir im Herzen sind, egal wie elend wir uns gefühlt oder wie böse wir waren.
Es gibt hier zwei Probleme: ein logisches und ein praktisches. Zuerst: wenn jeder aufgrund einer Kindheitswunde zum Schurken wird, wären alle Aggressoren in Wirklichkeit selbst Opfer. Glaubten wir tief an ein universelles Opfersein, müssten wir das Konzept des „Schurken“ völlig fallen lassen. Praktisch gesagt, der Identität, die wir um unser Opfersein herum erschaffen haben, Glauben zu schenken, hat starke negative Auswirkungen. Wenn wir die Erfahrung der Opferposition als Zentrum unserer Psyche heiligen, kann dies zu einer fortdauernden Anhaftung an die Opferidentität führen und somit Wachstum und Entwicklung verhindern.

In Therapiesitzungen habe ich (Shai) mich daran gewöhnt, dass neue Klienten eifrig ihre Trauergeschichten als Ursache ihrer gegenwärtigen Schwächlichkeit heranziehen. Ich sage nicht, dass vergangene Erlebnisse nicht zur Bildung unserer Persönlichkeit beitragen. Ich meine nur, dass diese Menschen zu stark an ihren Traumen festhalten und sich zu leicht damit identifizieren, oft als Ausrede, die sie vor Eigenverantwortung für ihr Leben und Leiden bewahrt. Sogar, wenn Menschen mich zu ihren Wutanfällen konsultieren, sprechen sie immer darüber, wie sie in der Vergangenheit angegriffen und dadurch aggressiv wurden. Früher habe ich mit Gefängnisinsassen gearbeitet, die aufgrund von extremer Gewalt oder sogar Mord inhaftiert waren. Sie erklärten häufig, dass die kriminellen Handlungen von frühen Traumen verursacht wurden, so, als wären sie elendig von einer Krankheit befallen worden, die sie zu solchem Verhalten zwang.
Aber sind wir wirklich einfach nur unschuldige und verletzliche Geschöpfe, die durch Traumen pervertiert wurden? Würden wir ohne Traumata tatsächlich nicht nach Macht streben, wären wir einfach reine manifestierte Liebe in menschlicher Form?
Wir sehen die Sache ganz anders. Wir lehnen die Vorstellung, unseren Schmerz und unsere Sorgen als Zentrum unserer Identität zu betrachten, ab. Unsere Geschichte ist nicht die eines Opfers – sie mag Opfererfahrungen beinhalten, aber wir sind keine Opfer. Unserer Ansicht nach ist der Wille die Triebkraft in unserem Wesenskern. Wenn wir verstehen, dass wir „Wille auf zwei Beinen“ sind, sehen wir plötzlich, dass ein Opfersein in dieser Welt lediglich eine vorübergehende Schwächung ist und kein fortdauernder Seinszustand. Hätten wir gekonnt, hätten wir gewählt unsere Macht zu vergrößern anstatt jemand anders in Schwäche ausgeliefert zu sein. Können wir das nicht, machen wir die bittere Erfahrung des vereitelten Willens. Wenn sich jemand über seine Opferposition in der Welt beschwert, meint er in Wirklichkeit: „Es ist ungerecht, dass ich auf der schwächeren Seite des Lebens stand und nicht das bekommen habe, was ich wollte!“ Es schmerzt in der Tat sehr, den eigenen Willen so völlig einem anderen unterlegen zu wissen. Dies ist das wahre Gesicht unserer Qual, nicht das Opfersein.
Deshalb nennen wir das „verwundete Selbst“ das falsche Unterbewusstsein, und das „willensgetriebene Selbst“ das wahre Unterbewusstsein. Es ist einfach: wir legen die Maske des Opfers an, um jedermanns Aufmerksamkeit, einschließlich unserer eigenen, von unserem wahren Selbst abzulenken, das die Erfüllung seines eigenen Willens und seiner Macht sucht.
Wofür brauchen wir das? Zunächst entschuldigt die Opfermaske unsere negativen Verhaltensmuster, wie die Unfähigkeit, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, oder sich auf eine liebevolle Beziehung einzulassen. Außerdem ermöglicht uns die Opfermaske, dass unser fortdauerndes Wollen von anderen unbemerkt bleibt. So können wir nichtsahnende Menschen täuschen. Drittens erlaubt uns die Opfermaske, uns freizügig über Machthaber unserer Vergangenheit oder Gegenwart zu beschweren und ihnen die Verantwortung für unseren tragischen Zustand zuzuschieben anstatt uns selbst. Diese drei Gründe machen das falsche Unterbewusstsein zu einem sehr nützlichen, aber auch gefährlichen Werkzeug in der Welt der Machtspiele.
In Wahrheit ist die Opfermaske für gewöhnlich übertrieben. Wenn wir nicht gerade zu den Unglücklichen gehören – lähmende Kindheitserkrankung, sexueller Missbrauch, Leben in einem Kriegsgebiet – ist unsere Opferwahrnehmung vermutlich gestört. Viele Menschen erfahren in einigen Momenten ihres Lebens eine ernsthafte Frustration und Schwächung. Wer aber aus dem falschen Unterbewusstsein heraus lebt, wird nach diesen Momenten suchen und sie sammeln, sich mit ihnen verbünden und daraus eine Identität entwickeln. Allmählich identifizieren wir uns so sehr mit der Opfermaske, dass wir uns von unserem willensgetriebenen Selbst abspalten und der Wille so zu einem unterdrückten Unterbewusstsein verkommt – ein wesentlicher Teil unseres Selbst, zu dem wir die Verbindung verloren haben.
Wenn solche Menschen Therapie beanspruchen, scheint dies wie ein verzweifelter Versuch, ihre „Wunden“ zu heilen. Doch dies ist lediglich ein Ablenken – an der Basis ihres wahren Unterbewusstseins bleibt der ursprüngliche Wunsch nach Macht bestehen, jedoch begraben und somit weder für Therapeut noch Klient erkennbar. Tränenreich sprechen sie über ihr Leiden und fordern vom Therapeuten das Recht ein, zu tun, was sie im realen Leben nicht tun konnten: ihrem unerfüllten Willen Ausdruck zu verleihen. Die Betonung der Opfererfahrung, um die aggressiven Versuche, das Gewünschte zu bekommen, zu vertuschen, ist eine willkommene Ablenkung. Diese Art von Ablenkung erlaubt es jemandem, der frustriert ist, auf seine Opfererfahrung fokussiert zu bleiben, auch wenn diese Erfahrung direkt aus dem eigenen aggressiven, unbewusst unterdrückten Willen resultiert.
Ich (Shai) kann zwei Beispiele für dieses Ablenken geben: Ein Klient in den Vierzigern, der seine Frau mit ihrer besten Freundin betrogen hatte, kam zu mir und beschwerte sich über die Wut seiner Frau, als sie es herausfand. Erstaunlicherweise belastete ihn der Betrug in keinster Weise. Er machte in der Tat sich selbst zum Opfer, indem er sich über ihre mangelnde Sensibilität und Aufmerksamkeit gegenüber seinen Bedürfnissen beschwerte!
Ein anderer Mann beschrieb ein Kindheitstrauma, entstanden, als ihn seine Spielkameraden einst vom Fußballfeld verbannt hatten. Er hatte darauf mit Schock und einem gebrochenen Herzen reagiert. Allmählich brachte die Geschichte jedoch ans Licht, dass er ein Pausenhofschläger war, der die anderen Kinder tyrannisiert hatte, bis sie sich verbündeten und ihn wegen seines aggressiven Verhaltens ausschlossen.
Wer einige Erinnerungen an erduldete Härte und Leiden hernimmt und daraus eine Opfergeschichte spinnt, tritt in eine Falle. Wir stecken in einem Leben fest, dessen Hauptziel aus Selbstmitleid besteht, und unsere Beziehungen kreisen darum, wie wir das Mitleid der anderen erhaschen können. Wir sollten uns fragen: Benutze ich eine „Armes-Ich“-Geschichte, um eine Position von Unzulänglichkeit und Leiden zu rechtfertigen?
„Ich wurde im Alter von sieben Jahren sexuell belästigt.“
„Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zehn war.“
„Ich wurde während meiner gesamten Schulzeit gehänselt.“
Dies sind wahrlich schmerzhafte Erfahrungen. Sie verdienen Mitgefühl. Aber halten wir mehr an ihnen fest als sie an uns? Glauben wir, dass unsere Wunden unsere Leistungsfähigkeit und unser Potential schmälern? Definieren sie unsere Beziehungen? Nutzen wir sie, um andere zu manipulieren? Wenn Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, sind Sie in Ihrem verwundeten Selbst verhaftet. Wenn Sie sich selbst heilen wollen, müssen Sie die Schnur durchschneiden und dieses Opferbild gehen lassen.
Hören wir auf, Emotionen, die aus unserem Opfergefühl heraus entstehen, wie Depression oder Ärger, so zu behandeln, als wären sie der Kern unseres Wesens. Erkennen wir stattdessen unsere halsstarrigen Kämpfe mit der Realität als Ausdruck unseres wahren Willens. Kümmern wir uns um unsere Wunden, wie wir uns um einen gebrochenen Arm kümmern würden. Wir richten die Knochen, dann lassen wir sie heilen, ohne den Vorfall immer und immer wieder zu erleben und nachzuerzählen.

Das Zen des glücklichen Wanderns

„Lass‘ dir alles geschehn: Schönheit und Schrecken. Man muss nur gehen…“ (Rainer Maria Rilke)

Wandern ist vielleicht der einfachste und natürlichste Weg zum Glück. Wandern in freier Natur, einen Fluss entlang, durch ein stilles Tal, im Wald, in den Bergen… – braucht es dafür noch eine Anleitung? Die Tatsache, dass immer wieder neue Bücher über das Glück des Wanderns erscheinen, weist auf ein allgemeines Bedürfnis, eine unerfüllte Sehnsucht hin. Worin besteht nun der besondere Weg des Zen zum Glück? Was hat es mit dem Zen des glücklichen Wanderns auf sich?

Wer kennt das nicht: Man hat sich auf den Spaziergang, auf die Wanderung gefreut – und dann beginnt es zu regnen, es zeigt sich, dass man das falsche Schuhwerk gewählt hat, es kommt zum Streit mit den Weggefährten über den richtigen Weg, schließlich stellt man fest, dass man eine Abzweigung verpasst hat und kommt in die Nacht…Ein andermal scheint alles zu passen: Das Wetter könnte nicht besser sein, die Menschen, mit denen man unterwegs ist, sind gut aufgelegt, man schafft den Gipfel – aber das erwartete Gipfelglück will sich nicht einstellen.

Zen sagt uns, dass es, um glücklich zu sein, nicht so sehr darauf ankommt, was uns umgibt, was um einen herum vorgeht, was man sieht und wahrnimmt und erlebt, sondern wie man etwas erlebt, sieht und wahrnimmt, wie es also um einen selber steht, was in einem selber vorgeht. Es kommt nicht so sehr auf die aüßeren Umstände als auf die eigene innere Verfassung und Einstellung an. Wie die äußeren Umstände sich uns darstellen, haben wir meist nicht in der Hand. Aber in welcher Stimmung und Bewusstheit wir selber sind und wie unsere Beziehung zur Umgebung ist, das liegt bei uns.

Sicher fällt es uns leichter, uns glücklich zu fühlen, wenn alles rundherum passt, das Wetter, die Landschaft, die Gefährten. Aber wenn wir in niedergedrückter Stimmung sind, wenn uns ein Ärger zu schaffen macht, dann können wir selbst das Glitzern der Tautropfen in der Morgensonne, die vielen Blumen um uns herum oder das Blühen der Bäume nicht mehr genießen,
Auf die eigene Einstellung also kommt es an. Erst wenn Äußeres und Inneres zusammenkommen und Einklang entsteht, bekommt alles, was man erlebt und tut, Sinn und Bedeutung. Drei Schritte helfen uns, unabhängig von äußeren Umständen Glück und Frieden beim Gehen und Wandern zu erfahren. Der erste:
Sehen, was ist und wie es ist. – Zen lehrt uns das unmittelbare Sehen und Wahrnehmen. Das unmittelbare Schauen ist ein ursprüngliches Wahrnehmen, bevor noch Gedanken sich einstellen. Unmittelbares Wahrnehmen meint ein Wahrnehmen, wo nichts zwischen den Schauenden und das Wahrgenommene tritt; wo keine Voreingenommenheit und keine Absichten den Blick trüben. Denn Gedanken, Vorstellungen und das Fixiert-sein auf ein zu erreichendes Ziel engen uns ein und verhindern die volle Freude und Offenheit. Alles hängt davon ab, in welchem Bewusstsein wir uns auf den Weg machen. Ein frei schwebendes Bewusstsein öffnet unseren Blick. Der weise Daoist Dschuang Dsi spricht von einem „freien und unbeschwerten Umherstreifen“, das nicht nach einem Nutzen fragt. Es ist ein Umherwandern „ohne Warum“. Wer ohne bestimmte Absicht und ohne festes Ziel durch die Gegend wandert, nimmt wahr, was er sieht und was sich zeigt, anstatt nur das zu sehen, was man „gesehen haben muss“ oder was „sehenswürdig“ ist. Wenn wir also sehen können, was ist und wie es ist, und nicht, wie es nach unserer Meinung und vorgefassten Einstellung zu sein hat, dann kann der zweite Schritt erfolgen.
Annehmen, was ist und wie es ist. Indem wir, was um uns ist, so annehmen, wie es ist, entsteht zwischen uns und der Umgebung eine wirkliche Beziehung und Harmonie. Das setzt allerdings voraus, dass wir den Dingen und der augenblicklichen Situation ohne bestimmte Erwartung begegnen. Zen lehrt uns, ganz ohne Erwartungshaltung zu gehen. Erst wenn wir gelernt haben, die tatsächliche Situation, so wie sie ist, anzunehmen und uns darauf einzulassen, werden wir fähig sein, den besonderen Reiz des Gehens im Regen oder den Zauber der Landschaft im Nebel wahrzunehmen, werden wir offen sein für das Spiel des Lichts und der Farben des Himmels. Gerade überraschende Situationen oder Herausforderungen, wie unerwartete Hindernisse auf dem Weg, können, wenn wir uns auf sie einstellen, zu intensiverem Erleben führen und sogar ein tiefes Glücksgefühl in uns wecken. Wir können die entscheidende Erfahrung machen, dass das Glück weniger von den äußeren Gegebenheiten abhängt als von unserer eigenen Einstellung und offenen Wachheit.
Annehmen, was ist und wie es ist, bedeutet, sich auf die gegebene Situation einzustellen, ohne gleich auf den Gedanken einzuspringen, wie man die Situation verändern oder verbessern könnte. Dabei geht es natürlich nicht darum, sich einfach mit allem abzufinden. Auch wenn es ansteht, etwas zu verändern, setzt das voraus, dass man sieht, was ist und wie es ist, und die Situation so annimmt, wie sie ist. Und dann kann man darangehen , sie zu verändern.
Nur wenn wir die augenblickliche Situation annehmen, so wie sie ist, und wenn wir uns selbst annehmen, so wie wir sind, können wir uns ganz in der Gegenwart einfinden. Glück wird nur in der Gegenwart erfahren, im Augenblick des Hier und Jetzt. Wenn wir sehen und annehmen können, was ist und wie es ist, können wir auch zum dritten Schritt kommen.
Schätzen, was ist und wie es ist. Es geht um die Wertschätzung dessen, was ist, und zwar einfach, weil es ist. Es führt zu einem unmittelbaren Erleben, bei dem wir uns nicht mehr fragen, ob etwas angenehm oder unangenehm, leicht oder schwer, schön oder weniger schön ist oder ob wir uns glücklich fühlen oder nicht. In solcher Unmittelbarkeit sind wir fraglos glücklich. Wenn wir das, was um uns ist, wirklich wahrnehmen und kennenlernen, werden wir es auch schätzen. Nur was wqir kennen, können wir schätzen und lieben. Nur wenn wir ohne vorgefasste Meinung und übernommene Wertschätzung an die Dinge herangehen und wenn unsere Wahrnehmung frei und der Geist leer wird, ist unsere Wertschätzung weit und uneingeschränkt. Das öffnet eine neue Qualität des Erlebens. Was wir auf diese Weise wirklich und direkt wahrnehmen, werden wir auch zu schätzen wissen. Und was wir kennen, werden wir auch lieben. Und was wir lieben, macht uns glücklich.
Die folgende kleine Geschichte von Anthony de Mello veranschaulicht, worauf es ankommt: Ein Wanderer trifft nach langen Stunden des Gehens einen Schäfer. Er fragt ihn: Du bist doch Tag und Nacht hier draussen. Kannst du mir sagen, wie das Wetter morgen wird?“ Darauf der Schäfer, nach kurzem Zögern: „Das Wetter wird so, wie ich es gerne habe.“ Der Wanderer ist verdutzt. „Woher weißt du, dass das Wetter so sein wird, wie du es liebst?“
„Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb weiß ich, dass das Wetter morgen so sein wird, wie ich es mag.“
Was immer geschieht, es liegt an uns, Glück oder Unglück darin zu sehen. David Steindl-Rast nennt diese Haltung zum Glück: „that kind of happiness that doesn’t depend on what happens“ – diese Art von Glück, die nicht davon abhängt, was geschieht, nicht davon, ob es glückt.
Man ist, wie der daoistische Weise, bereit, dem „Lauf des Wassers“, dem Lauf des Flusses zu folgen, und damit dem Fluss des Lebens, dem Lauf der Dinge. Wir gehen in Harmonie mit dem Ganzen; unnötig scheint es, gegen etwas anzugehen, sich gegen den Lauf der Dinge zu richten. Im Gegenteil: man schwingt sich mit der eigenen Bewegung ein in die Bewegung des Ganzen. Wie das Wasser im Flussbett den besten Weg findet, so folgt der Weise dem Lauf der Dinge und findet so seinen Weg. Glück ist nicht das Ziel von Zen. Aber Zen ist ein Weg zum Glück.
Ermin Döll & Marcus Hillinger, Auszug aus „Das Zen des glücklichen Wanderns“, Theseus

WalkAway – Ein Übergangsritual für Jugendliche

“Die Reise beginnt und endet mit der Wahrnehmung, wo Du wirklich stehst.” (Bhagavan)

In unserer heutigen westlichen Gesellschaft fehlen Initiationsrituale fast völlig. Dies ist fatal. Denn so gibt es für die meisten Jugendlichen keine adäquaten Zeremonien mehr, die den Übergang von der Jugend ins Erwachsensein klar markieren könnten. All die negativen Phänomene der „heutigen Jugend“ können daher als Folge des Fehlens von und als Schrei von Jugendlichen nach geeigneten Initiationsritualen gedeutet werden. Besonders die Jungen brauchen solche Zeremonien, durch die sie ihre Kraft, ihren Mut und manchmal auch ihre Wildheit zeigen können und dafür die Anerkennung von Erwachsenen erhalten. Um eine Art von kontrollierter Mutprobe geht es also.

Die beiden nordamerikanischen Ethnologen Steven Foster und Meredith Little, die sich jahrelang mit Indianerstämmen beschäftigten, haben mir die Augen geöffnet: Sie haben schon vor 35 Jahren den Grundgedanken der Indianerinitiation übernommen und daraus die sogenannte Jugend-Visionssuche entwickelt. Sie dauert etwa zehn Tage und ist sehr gut geeignet für unseren westlichen Kulturkreis. Für 15- bis 17-jährige Jugendliche wurde später aus praktischen Gründen das kürzere Format des WalkAway geschaffen, eine Art Visionssuche im Kleinen. Dieses Ritual ist aber für Jugendliche dieser Altersstufe Herausforderung genug. Seit Jahren habe ich damit nur gute Erfahrungen gemacht.

Monatelang bereiten sich die Jungen und Mädchen darauf vor. Das eigentliche Ritual dauert dann vier Tage. Nötig sind dazu ein passendes Seminarzentrum und ein Waldgebiet, in dem der WalkAway möglichst ungestört ablaufen kann. Dieses naturpädagogische Projekt hat drei Phasen:

In den ersten beiden Tagen, der Vorbereitung, gehen die Jugendlichen jeweils für zwei Stunden mit einer konkreten Naturaufgabe allein in den Wald. Anschließend erzählen die Teilnehmer ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in der Gruppe im Beisein der Ritualleiter. Diese geben dann zu jeder Geschichte ein aufbauendes und bestärkendes Feedback.

Am dritten Tag beginnt die zweite Phase: Alle Teilnehmer werden bereits am frühen Morgen zur sogenannten 24-stündigen „Solozeit“ allein in den Wald geschickt. Sie gelten dabei als unsichtbar, vermeiden jeden Kontakt mit Menschen, verzichten auf Essen und auf eine Behausung und geben vorher Handy und Smarphone ab. Mit dabei haben sie nur einen Rucksack mit etwas Wechselwäsche, einen Schlafsack und eine Matte, vier Liter Wasser, eine Plane gegen Regen, ein Tagebuch und eine Trillerpfeife, um sich im Notfall bemerkbar machen zu können. Damit haben die Jugendlichen viel Zeit, um die Wesenheiten der Natur wahrzunehmen und mit sich selbst und ihrem Inneren zu beschäftigen. Alles, was in der Solozeit passiert, jeder Baum, jede Formation, jeder Stein oder jede Tierbegegnung können einen Hinweis auf den Prozess in der eigenen Psyche geben. Die Jugendlichen werden gleichsam vom Wald verschluckt und befinden sich während dieser Zeit in einer Art „Anderswelt“.

Am vierten Tag warten die frühmorgens angereisten Eltern bereits um 7.30 Uhr vor dem Wald, um mit dabei zu sein, wenn die Ritualleiter die jungen Frauen und Männer aus dem Wald trommeln. Damit beginnt die dritte Phase, die sogenannte Wiedereingliederung in die Gemeinschaft. Mit einer Bussardfeder werden die Teilnehmer symbolisch wieder sichtbar gemacht. Jeder bekommt eine Tasse Tee und eine Breze, um das Fasten zu brechen. Anschließend geht es in das nahegelegene Seminarzentrum. Dort kann man einige Stunden lang eine Stecknadel fallen hören, wenn jeder Teilnehmer vor Eltern, Familienangehörigen und Leitern seine berührende Geschichte von „allein da draußen im Wald“ erzählt. Wieder geben die Ritualleiter ein Feedback und heben den mutigen Schritt jedes Teilnehmers hervor. Schließlich werden die Eltern gebeten, auf die Geschichte ihres Sohnes oder ihrer Tochter zu antworten.

Der 17-jährige Markus (alle Name geändert) litt an einer Angstphobie in der Dunkelheit, die sein ganzes Leben bestimmte und ihn in seiner Entwicklung blockierte. Als er von seiner Solozeit zurückkehrte, erzählte er vor allen seine Erlebnisse:

„Ja, ich hatte Angst, bevor es Nacht wurde. Wie würde es in der Dunkelheit sein? Ich vergrub mich in meinem Schlafsack, um der erwarteten Panik zu entgehen. Etwa um 3.00 Uhr nachts sprang ich plötzlich aus dem Schlafsack und lief über eine Stunde lang im Wald umher. Dabei fielen meine Angstdämonen von mir ab und ich fühlte mich mit jedem Schritt leichter. Als ich heute Morgen aus dem Wald zurückkehrte, war alle Panik verschwunden. Ich bin jetzt frei wie nie zuvor.“

Die 17-jährige Maria hatte Angst allein im Wald. Schon am Tag zuvor bekam sie Panik, als sie sich bei einer Übung im Wald verirrt hatte. Maria erzählte uns dann folgende Geschichte von ihrer Solozeit:

„Ich suchte mir einen Platz für die Nacht auf einer kleinen Lichtung nur etwa 100 Meter von den Leitern entfernt, die am Waldrand übernachteten. Als es dämmerte, lag ich bereits eingekuschelt in meinem Schlafsack. Würde ich wieder in Angst geraten? Doch dann erlebte ich etwas Unerwartetes. Stundenlang schaute ich zum Himmel und sah immer mehr Sterne in der klaren Nacht aufgehen, je dunkler es wurde. Plötzlich hatte ich das Gefühl, vollkommen in den Kosmos hineingezogen zu werden und mit dem Universum, mit allen Menschen, Tieren und Pflanzen und mit den Himmelskörpern zu verschmelzen. Ich hatte ein All-eins-Erlebnis wie noch nie und fühlte mich total geborgen. Es war einfach wunderbar. Von Angst war nichts mehr zu spüren.“

Der 16-jährige Matthias, der viele Jahre lang in der Schule gemobbt worden war, erzählte uns nach der Solozeit dies:

„Ich hatte mir ein schönes Lager aus Steinen und Ästen gebaut, setzte mich auf einen Baumstumpf und dachte nach. Da hoppelte ein Hase immer näher zu mir heran. Er hatte keine Angst vor mir. Schließlich „kackte“ er vor meine Plane und verschwand wieder im Wald. So ein frecher Hase! Einige Zeit später turnte im Baum über mir ein Eichhörnchen herum und warf immer mehr Tannenzapfen und kleine Äste auf mich herab. So ein freches Eichhörnchen! Das ging mir irgendwann gewaltig auf die Nerven. So etwas lasse ich mir doch nicht bieten! Schließlich schleuderte ich einige Tannenzapfen nach dem Eichhörnchen, bis es in den Ästen verschwand. Was könnte dies alles bedeuten?“

Es verwunderte nicht, dass viele Teilnehmer und Eltern bei dieser humorvollen Geschichte schallend lachen mussten. Wir Leiter gaben in unserem Feedback Matthias den Hinweis, dass eine gute Abgrenzung erlaubt und geboten sei, wenn uns jemand nicht respektieren sollte. Hase und Eichhörnchen wollten Matthias offensichtlich klar machen, welcher innere Entwicklungsschritt bei ihm anstand: die Fähigkeit zur Abgrenzung entwickeln!

Nachdem die Geschichten von allen Teilnehmern erzählt und gespiegelt worden waren, endete die sehr berührende Veranstaltung mit einem feierlichen Essen, das die Eltern von zu Hause mitgebracht hatten. Mir als Ritualleiter bleibt nur noch, meinen großen Respekt vor diesen mutigen Jungen und Mädchen zu bekunden, die durch dieses Ritual selbständiger und selbstverantwortlicher geworden und einen großen Schritt hin zum Erwachsensein gemacht haben.

Peter Maier, Gymnasiallehrer, Initiations-Mentor und Autor. „Initiation – Erwachsenwerden in einer unreifen Gesellschaft. Band I: Übergangsrituale“ (ISBN 978-3-86991-404-6; MV-Verlag Münster;16,50 €) „Initiation – Erwachsenwerden in einer unreifen Gesellschaft. Band II: Heldenreisen.“ (ISBN 978-3-86991-409-1; MV-Verlag Münster; 16,80 €)
www.initiation-erwachsenwerden.de

Zu Tode erschöpft

„Urlaub machen ist immer gefährlich, weil sich vielleicht herausstellt, daß man keine Lücke hinterläßt.“ (Vic Bradley)

Am Anfang psychischer Krisen steht häufig eine Art von Abwärtsspirale. Sie kann beispielsweise so aussehen, dass man im Laufe der Nacht erwacht und von einer starken inneren Unruhe geradezu überschwemmt wird. Was tagsüber Sorge macht, aber durch Aktivität noch in Schach gehalten werden kann, erscheint in diesen Nachtstunden als die unmittelbar bevorstehende Katastrophe: Die Firma ist dem Untergang geweiht, die Ehe steht vor dem Aus, Arbeitslosigkeit und Zum-Sozialfall-Werden wirken wahrscheinlicher als alles andere, die unheilbare Krankheit brütet schon im Körper – überschwemmt von Adrenalin liegt man stundenlang wach; am Tage ist man zu Tode erschöpft.
Durch die fehlende Erholung entsteht ein Teufelskreis: Die Kräfte schwinden immer mehr, und damit läßt die Fähigkeit nach, dem wachsenden Druck innerer Ängste einen Schutzwall gesunder Verdrängung oder auch Kompensation entgegenzusetzen und so die Realität auszuhalten. Tagsüber fühlt man sich immer schwächer, ängstlicher, erlebt sein Leben oder das seiner Liebsten als bedroht, im gesundheitlichen wie auch im beruflichen und im sozialen Bereich. Versuche, diesen Angstpegel durch Sport, Alkohol, Computerspiel oder was auch immer im Zaum zu halten, sind immer weniger erfolgreich.
Jeder, der durch eine solche Abwärtsspirale gegangen ist, berichtet davon, dass ein sehr enger Zusammenhang besteht zwischen Schlafmangel und der Macht von Ängsten und Depressionen. Wenn dieser Zustand anhält, mündet er oftmals in etwas, das in der beruflichen Welt Burnout genannt wird und weitgehend identisch ist mit dem, was einen Psychiater bzw. einen Psychotherapeuten dazu veranlasst, eine Depression zu diagnostizieren.
Befindet ein Mensch sich in einer solchen Abwärtsspirale, ist ein relativ verbreiteter Automatismus die Suche nach Verantwortlichen: Die erschöpfte und verunsicherte Seele versucht, einen Schuldigen auszumachen, in der – zumeist unbewussten – Hoffnung, den Beschuldigten gleichsam „an die Wand zu stellen“ werde das eigene innere Gleichgewicht und damit die innere Ruhe wiederherstellen: „Die ständigen Umstrukturierungsprozesse haben mich meine ganze Kraft gekostet.“ „Keine Wertschätzung durch die Vorgesetzten, dazu die Missachtung der Kollegen, und außerdem diese ganze IT-Geschichte, welche die Leute verdummt … all das ist schuld an meinem Kollaps.“ „Nach 20 Jahren mit dieser unkooperativen Frau bin ich ein seelisches Wrack.“ „Und jetzt auch noch die drohende Arbeitslosigkeit bei den Hypotheken…ich bin innerlich tot.“
Eine Geschichte, die den Kranken zum Opfer der Umstände macht, gibt es gerade in Burnout-Situationen oft. Oder auch eine Geschichte darüber, warum trotz so viel Engagement und gutem Willen der Zusammenbruch nicht zu vermeiden war. Dazu zwei wichtige Punkte: Erstens gilt es stets, der Unerträglichkeit spezifischer Lebenssituationen und dem menschlichen Leid mit Respekt zu begegnen. Zweitens darf darüber jedoch nicht vergessen werden, dass wesentliche Ursachen gerade von Burnout-Phänomenen oft in viel, viel früheren Lebensphasen zu suchen sind. Man könnte sagen, irgendein Krug im Leben eines betroffenen Menschen wurde so lange zum Brunnen getragen, bis er brach. Weniger poetisch gesprochen: Die Belastbarkeit der wesentlichen Ich-Strukturen dieses Menschen hatte immer schon Grenzen; jahrelang hat es aber gereicht, waren die Ich-Strukturen trgfähig genug, um den Ansprüchen des Lebens gerecht zu werden – und nun reicht es eben nicht mehr. Das ist nicht im Geringsten wertend gemeint. Jede Kultur braucht beispielsweise Menschen mit vergleichsweise starren, rigiden Ich-Strukturen, die dadurch oft belastbarer sind als andere, und sie braucht außerdem empfindsamere Menschen, die auf schwache Reize sensitiv reagieren, durch starke indes aus der Bahn geworfen werden können. Man denke beispielsweise an das Schicksal berühmter Musiker wie Janis Joplin, Amy Winehouse oder Kurt Cobain, deren empfindsame Seele damit überfordert war, Künstler zu sein in einer Welt, die geprägt ist von permanenter Überstimulation, sei es durch Aufputschmittel oder durch Fans, und durch eine gnadenlose Musikindustrie.
Wesentlich für seelisches Wohlergehen ist, dass jeder Mensch an einem Platz lebt, der seinem Wesen gerecht wird. Plakativ gesagt: Ein Stemmeisen ist in der Uhrmacherwerkstatt in der Regel ebenso wenig hilfreich wie der feine Mikroschraubendreher des Uhrmachers im Straßenbau. Andererseits gilt: Die Dinge ändern sich. Die menschliche Psyche, die Persönlichkeitsstrukturen unterliegen im Laufe des Lebens Veränderungen, und häufig sind es gerade bestimmte Schwellensituationen, und zwar solche, in denen die Identität sich wandelt, in denen diese Strukturen herausgefordert werden und die Gefahr besteht, dass sie zusammenbrechen. Grundsätzlich ist man immer gut beraten, wenn man eine seelische Krise wie etwa Burnout als ein Element einer zumeist langen, also weit zurückreichenden Geschichte betrachtet.
Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis, wonach Burnout vornehmlich zu tun habe mit zu viel Arbeit, zu viel Stress, zu hohen Leistungsanforderungen. Oft haben seelische Störungen jedoch mit etwas ganz anderem zu tun. Dann kommen Menschen in die psychotherapeutische Praxis in einem Zustand völliger Energielosigkeit, und bei der Anamnese stellt sich dann heraus, dass es keineswegs das Übermaß an täglicher Arbeit ist, das ihre Energie versiegen lässt, sondern die grundsätzliche Lebenssituation, die geprägt ist von einem Gefühl der Leere und des Ausgebremstseins und vom Fehlen irgendeiner konstruktiven Perspektive.
Diese Menschen erinnern manchmal an einen Baumstamm, der lange im Wasser treibt und sich im Fluss der Existenz in Richtung auf die Mündung ins Meer bewegt. Dann tritt ein Ereignis ein, das den Stamm aus seiner gewohnten Bahn vertreibt, und irgendwie gerät er in ein neben dem Fluss liegendes Altwasser. Die Hoffnung, das Meer zu sehen, ist dahin, allenfalls kommt noch genug Strömungsenergie im Altwasser an, so dass der Stamm sich im Kreise dreht, doch die Hoffnung, sich in den Fluss des Lebens zurückzubegeben, ist dahin. Was bleibt, ist allenfalls die Hoffnung auf ein Hochwasser oder ein anderes heftiges Naturereignis. Zynischerweise bekommen diese Menschen oft zu hören: Was willst Du denn eigentlich? Sei doch nicht so undankbar. Du hast ein schönes Haus, eine sichere Arbeitsstelle, deine Ehe ist okay und mit deinen Kindern ist auch alles gut gelaufen.“ Dem kann man dann oft, zumindest auf den ersten Blick, nicht widersprechen – und so bleibt dann gerade darum die Verzweiflung der Betroffenen ungehört.
In manchen Geschichten ist es der Tod, der die Lösung bringt. Andere Stillstände erlösen sich in der Trennung oder in der Insolvenz. Es ist manchmal schon eindrucksvoll zu sehen, wie unendlich erleichtert Menschen sein können, wenn endlich das passiert, was sie jahrzehntelang verhindern wollten. Der Mann, dessen jahrelanger massiver Bluthochdruck sich augenblicklich korrigiert, nachdem er seine Frau verlassen hat. Die Frau, die voll Freude, mit glücklichem Gesicht, sagt, sie finde jetzt, wo ihre Insolvenz genehmigt sei, endlich wieder Ruhe.
Der Brückenschlag zu einem Menschen kann unter den Vorzeichen der Ausweglosigkeit nur darin bestehen, die Situation nicht zu verleugnen und den Menschen in dieser Situation anzunehmen. Es gilt zunächst einmal die simple Regel, dass es so ist, wie es ist. Und dass Begegnung nur dann zur Ressource wird, wenn die Realität, wie immer sie sei, respektiert wird.

Wolfgang Krahe & Heinz J. Weigt, Auszug aus „Mein erschöpftes Ich“, Kamphausen, www.bridge-into-life.de

Der nächste Schritt

“Nicht du lebst dein Leben, das Leben lebt dich.”
(Samarpan)

Wir können körperlich alt werden und zugleich innerlich – in unseren Gefühlen und geistigen Haltungen – Kind bleiben. Wenn wir die Entwicklung recht verstehen und nicht nur altern, sondern auch innerlich wachsen wollen, ist es wichtig, dass wir
auch emotional unsere Familie verlassen. Dass wir all das, was damals für uns heilsam, gut und wichtig, aber auch das, was schmerzhaft und schlimm war, zurücklassen. Wenn ihr euch das vorstellt, wird euch vielleicht augenblicklich klar, dass es genau dieses Problem ist, mit dem Menschen zur Therapie kommen.
Sie können das Schmerzhafte, was in der Kindheit gewesen ist, auch dann nicht verlassen, wenn sie siebzig Jahre alt sind. Sie sagen: „Ja, aber meine Mutter hat mir nicht die Liebe gegeben, die ich gebraucht hätte, deswegen kann ich nicht lieben.“ Wenn man es genau betrachtet, ist das Blödsinn. Natürlich kann ich. Meine Mutter ist schon längst unter der Erde oder wo auch immer, und die Aussage „Ich kann das nicht, weil es damals so oder so war …“, ist Unfug. Ich kann es durchaus, aber wahr ist auch: Ich habe das Gefühl, als könnte ich es nicht. Das aber ist ein kindliches Gefühl. Das Kind konnte es tatsächlich nicht. Ich bin mit diesem kindlichen Gefühl nach wie vor so tief identifiziert, dass ich es oft nicht einmal merke. Wenn ich’s merke, hat es schon angefangen, sich aufzulösen. Diese Verwechslung ist
der Grund, warum wir ständig in irgendwelchen alten Konflikten herumhängen: wir haben die Kindheit nicht wirklich verlassen.
Genau darum geht es : die Kindheit zurückzulassen. Dies gelingt aber nur, wenn man sie lässt, wie sie war, wenn man also nicht mehr damit hadert und auch nicht mehr therapeutisch daran herumdoktert. Im Physischen ist klar: Wenn die Pubertät kommt, fängt es an zu jucken, im Kopf und anderswo auch. Dann müssen wir hinaus.
Wir wollen in die Welt hinaus, wollen innerlich nicht mehr Teil unserer Familie sein und wenden uns dagegen. Mit der Pubertät beginnt die Trennung von der Familie. Wenn diese Trennung nicht vollzogen wird, bleibe ich ein unselbstständiges
Kind. Wir haben in der Jugend eine Bewegung weg von der Familie, ohne dass wir wirklich erwachsen werden. Wir suchen uns Ersatzfamilien von Gleichgesinnten, früher nannte man das Peer Groups, heute sind es die tausend „Freunde“ auf Facebook. Wir haben das Gefühl, wir könnten alles so gestalten, wie wir das
wollen, auch uns selbst und unsere „Familien“. Wir wollen dabei zwei Dinge nicht wahrhaben: Wir sind immer noch halb im Gruppenbewusstsein, wir stehen noch lange nicht ganz auf unseren eigenen Füßen. Das ist erst der Fall, wenn wir unser Allein – sein erkennen und angenommen haben. Dann erst sind wir
seelisch erwachsen. Und zweitens übersieht das jugendliche Ich-Bewusstsein – und damit das gesamte moderne Bewusst sein – eine grundlegende Tatsache: Unser Leben gehört uns nicht. Wenn es anders wäre, könnten wir es für immer behalten und müssten nicht sterben. Dass wir sterben, ist ein klarer Beweis, dass
uns das Leben nie gehört hat und nie gehören wird. Daher sind
unsere Lebensentwürfe nichts anderes als Glasperlenspiele.

Erwachsensein bedeutet die Trennung von der Jugend und damit die Trennung von der ewigen Suche. Es bedeutet, sich auf das einzulassen, was ist, anstatt ewig weiter zu suchen. Der spirituelle Sucher ist übrigens ein Jugendlicher. Der Erwachsene sagt: Ich öffne mich dem Leben, und zwar so, wie ich bin und wie es ist. Mit anderen Worten: nackt, ohne zu wissen, wer ich wirklich bin, und ohne zu wissen, wo es hingeht. Wenn wir uns wirklich selbst ins Leben entlassen, auch geistig, müssen wir die Trennung, die mit der Geburt angefangen hat, ganz vollziehen. Das ist vor allem die Trennung von der Mutter. Mit der Geburt hat sie auf der physischen Ebene begonnen, und sie vollendet sich, wenn wir geistig allein in die Welt eintreten
und sagen: Jetzt ist nicht mehr meine Mutter die Welt, sondern die Welt wird, je tiefer ich mich auf das Leben einlasse, mehr und mehr meine Mutter. Damit öffnen wir uns der ganzen Welt. Das braucht Vertrauen, sehr viel Vertrauen, denn die Welt ist das
Unbekannte. Es geht um vollkommenes Offensein, um das Loslassen aller Halteseile. Halteseile sind nötig für das Kind, etwa Vater und Mutter usw. Jetzt braucht man statt dessen die Haltung des offenen Herzens, aber nicht (nur) einzelnen Personen gegenüber, sondern zum Leben selbst, zum Leben als
solches so, wie es auf einen zukommt. Deshalb habe ich vorhin gesagt: Erwachsensein hat mit Liebe zu tun. Es geht hier natürlich nicht um die romantische Liebe, sie gehört zur Jugend –, es geht überhaupt nicht um etwas Persönliches, noch
nicht einmal um etwas Emotionales, es geht um die Haltung des offenen Herzens. Erst mit diesem Schritt vollendet sich unsere Geburt in dem Sinne, dass wir dann Individuen sind, dass wir dann bei uns selbst angekommen sind.
Das bedeutet aber, dass ich bereit bin, in die vollkommene Offenheit einzutreten, in der es keinen Halt und kein „wo ist mein Platz“ mehr gibt. Eine erwachsene Therapie, eine Psychologie, die der Moderne und ihren seelischen Herausforderungen
gerecht wird und auf der Höhe ihrer Zeit ist, hätte hier anzusetzen. Es wäre ihre Aufgabe, den Suchenden beim Übergang in diese Offenheit zu begleiten. Dazu muss sie aber selbst schon in dieser Offenheit stehen – das gilt sowohl für ihre Methode als auch für den Therapeuten persönlich. Als Therapeut nehme ich
den Menschen sozusagen schon vorweg als erwachsenes Individuum. Ich sage: Ja, ich bin hier mit einem Erwachsenen. Ich schaue, wo ich ihn vielleicht dabei unterstützen kann, dass er sehen lernt, was ihn noch in der Jugend oder in der Kindheit festhält oder vielleicht sogar vor seiner Geburt. Mehr eigentlich
nicht. Wenn er das sehen kann, erledigt sich der Rest von selbst.

Jede Lebensstufe hat ihre eigene Wahrheit! Jedes Bewusstsein hat eine eigene, von
den anderen verschiedene Perspektive und Sicht auf die Welt und auf sich selbst, und diese ist jeweils richtig und wahr im Kontext der jeweiligen Lebensstufe. Für einen Fötus ist es wahr, dass er stirbt, wenn die Mutter stirbt. Das ist seine Lebens wirklichkeit. Dementsprechend fühlt und „sieht“ er seine Situation, dementsprechend verhält er sich auch. Genauso beim Kind: Für das Kind ist es wahr, dass es nicht für sich selbst sorgen kann, deshalb ist es konsequent und quasi „rational“, dass es sich an andere wendet, damit sie ihm geben, was es braucht. Und dass es schreit oder quengelt oder jede andere Strategie anwendet, die ihm passt, um das zu bekommen, was es haben will. Dementsprechend fühlt es auch. Das heißt, unsere kindlichen Gefühle sind wesentlich geprägt durch die objektive Situation der kindlichen Lebensstufe. Und der Jugendliche spürt den unabweisbaren Drang, aus der Familie herauszugehen. Sein Bewusstsein folgt diesem Drang nach Freiheit und Selbst ständigkeit.
Jede Stufe hat also ihre eigene Lebenswirklichkeit und Wahrheit. Das bedeutet: Wir dürfen die Wahrheit des Kindes nicht zurückweisen oder abwerten. Das Kind, das weint, wenn die Mutter es vernachlässigt, hat Recht! Das Kind, das traurig oder
wütend wird, wenn der Vater es dauernd zurechtweist, hat Recht! Der Erwachsene aber, der immer noch weint, weil die Mutter ihn vernachlässigt hat, oder ihr böse ist, weil sie seine Lebensweise nicht gutheißt, hat nicht Recht. Denn er ist kein
Kind mehr, und was immer die Eltern denken oder tun, muss ihn nicht mehr kümmern. Es beeinflusst nicht mehr sein Leben, wenn er das nicht will. Er hat die Wahl, allein sein Leben zu leben, was immer die Eltern tun oder getan haben. Das Kind hatte diese Wahl nicht. Und wenn wir als Erwachsene die Vorstellung haben, dass andere (zum Beispiel der Partner oder der Staat oder Gott) für uns sorgen, uns verstehen oder uns glücklich machen sollen, dann sind und bleiben wir innerlich Kinder. So ist es mit allen Lebensstufen: Wenn wir der Lebensbewegung ganz folgen, entsteht auf jeder Stufe ein anderes Bewusstsein. Das neue Bewusstsein ist immer weiter als das vorherige, es sieht und umfasst mehr. Die Entwicklung ist harmonisch, wenn dieses Mehr sich nicht als besser ansieht, sondern wenn es die
vorherige Sicht voll und ganz aufnimmt und mitnimmt, ohne sich davon noch leiten zu lassen.

Wlfried Nelles, Auszug aus „Die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst“, Innenwelt Verlag

Geistheilung, Ethnotherapien, Schamanismus – Hilfe auf dem Weg zu
authentischer Gesundheit und Lebensfreude?

“All das ist perfekt entworfen, dich zur Wahrheit zu führen, in die Freiheit.” (Samarpan)

In den letzten Jahren sind energetische Heilweisen immer beliebter geworden; unzählige Menschen öffnen sich für die Arbeit von Geistigen Heilern und Schamanen. Viele suchen Heilung an Körper, Geist und Seele oder wollen vorsorglich etwas für ihre Gesundheit tun; andere sind eher auf innerer Sinn- und Visionssuche und erhoffen sich Inspiration und tiefe Einsichten. Am Beispiel zweier hochkarätiger Heiler, deren Wege und Methoden jeweils völlig anders sind, wollen wir erkunden, welche Hoffnungen und Wünsche auf welche Weise erfüllt werden können, und was der Einzelne selbst zum Heilungs- und Bewusstwerdungsprozess beitragen kann oder auch muss.
Am anderen Ende der Welt, mitten im Amazonasdschungel, ist ein Protagonist aus Clemens Kubys Film („Unterwegs in die nächste Dimension“) zu Hause: Don Agustin Rivas Vasquez. Er gilt als höchstrangiger Schamane Perus und kommt – trotz hohen Alters – zumindest in diesem Mai nochmals nach Deutschland. Don Agustin ist ein meisterhafter Kenner der Amazonas-Heilpflanzen. Interessanterweise musste auch bei ihm das Schicksal oder die göttliche Führung „nachhelfen“. Einst war er der bekannteste Bildhauer Perus – seine phantastischen Objekte aus Amazonashölzern wurden weltweit ausgestellt, so auch in Hamburg auf Einladung der Regierung von Helmut Schmidt. Ein schwerer Unfall, der die Feinmotorik seiner rechten Hand beschädigte, beendete jäh seine künstlerische Laufbahn. Ein Verlust für die Kunstwelt; dafür aber, wie sich später erweisen sollte, ein unschätzbarer Gewinn für unzählige todkranke Menschen. Mit der gleichen Hingabe und Leidenschaft, mit der der Künstler seine Werke mit Leben erfüllt hatte, erlernte er damals die schamanische Heilkunst. Was darf man also erwarten, wenn man sich bei diesem charismatischen Schamanen in Behandlung begibt? „Eine exquisite Tortur“, wie er schelmisch lächelnd immer ankündigt. In der Tat ist eine Behandlung bei ihm kein „Zuckerschlecken“. Aber: wenn jemand bereit ist, mit aller Energie und Leidenschaft auf seine Heilung hinzuarbeiten, dann kann er kaum einen besseren Begleiter finden. Dabei geht es um Selbsterforschung und Aufdeckung tiefer Krankheitsursachen mithilfe von Ayahuasca, der Mutter aller Heilpflanzen. Es ist eine Reise ins Innere für furchtlose Menschen, die Gesundheit an Körper, Geist und Seele suchen und gleichzeitig ihre Lebensvision und –mission entdecken wollen.
Joao de Deus aus Brasilien benutzt wiederum völlig andere Mittel und Methoden, verfolgt aber das gleiche Ziel: Heilung, vorbeugende Erhaltung der Gesundheit und spirituelles Wachstum. Der wichtigste Unterschied: Auch wenn der 72-jährige Brasilianer oft und gerne als „Wunderheiler“ bezeichnet wird, so ist er eigentlich gar kein Heiler – und Wunder vollbringt er auch keine. Das klingt vielleicht zunächst überraschend, ist es aber nicht. Immer wieder erklärt Joao de Deus voller Demut: „
Nicht ich bin es der heilt, Gott heilt durch mich“ – und zwar in Gestalt jener 36 Geistwesen die durch ihn behandeln während er in tiefer Trance ist. Joao ist also kein Heiler, sondern ein Medium, vermutlich das kraftvollste der Welt. Nur so konnte durch ihn geschehen, was ansonsten menschenunmöglich wäre: In nunmehr 57 Jahren fast 8,5 Millionen Menschen aus aller Welt zu behandeln und unzählige Heilungsprozesse einzuleiten. Diese zwei, hier exemplarisch für viele Andere vorgestellten Heiler betreiben Energiemedizin auf allerhöchstem Niveau, und jeder auf seine Weise äußerst erfolgreich: Don Agustin, wenn er nach Einnahme der Heiligen Medizin seinen Schamanenstab diagnostizierend über dem Kranken kreisen lässt oder einen Krebs förmlich aus dem Körper „saugt“. Bei Joao de Deus jedoch wird das eigene Tun, so schwer verständlich es zunächst klingen mag, zum Nicht-Tun. Er legt sein Ego, seinen Verstand für die Dauer der Heilsitzungen ab und lässt die verstorbenen Ärzte und Heiligen mithilfe seines Körpers behandeln. Und diese Geistwesen, wie Ignazius von Loyola, König Salomon, Dr. Cruz, Dr. Fritz, Dr. Almeida, Dr. Valdevino erkennen in Sekunden was dem Einzelnen fehlt und leiten eine individuell passende Behandlung ein. Nur so konnte und kann diese unglaubliche Zahl an Menschen behandelt werden.

Victor Rollhausen, EARTH OASIS, Vom 16.-18. Mai kommt Joao de Deus zu den 7. Europäischen Geistheilungstagen nach Salzburg. Don Agustin weilt zu 4 Heilungszeremonien in Kisslegg, und zwar zwischen dem 07. und 17. Mai.
Infos: www.earth–oasis.de, Tel 0221/91288877

Für immer in meinem Herzen

Ein Plädoyer für einen besseren Umgang mit dem Tod und mit Trauernden

„Das Leben ist kein Problem das gelöst werden muß, sondern ein Mysterium, das gelebt werden will.“
(Osho)

Mit der Realität der Endlichkeit des irdischen Lebens ist unsere Gesellschaft immer noch hoffnungslos überfordert. Unsere meist nach Äußerlichkeiten orientierte Welt kämpft mit ihrem Anti-Aging Wahn seit Jahren immer intensiver gegen den unheilvollen Tod an oder will ihn zumindest irgendwo in eine ganz weite Ferne hinauszögern. Später kann man sich dann immer noch damit befassen.
In unserem Kulturkreis wird der Tod von den meisten gnadenlos verdrängt. Tatsache ist jedoch, dass täglich „gestorben“ wird, in jedem Alter, vom Baby bis zum Greis. Menschen verlassen ihre körperliche Form zu jeder Zeit oder „Unzeit“, wie es oft bei Eltern heißt, die ihr Kind viel zu früh verlieren.

Der Tod passt einfach nicht in unser leistungsgesteuertes Konzept, stört er doch alle unsere Pläne und Erwartungen an das Leben. Ist er doch die eine große Sache, die sich nicht kontrollieren lässt. Oft höre ich Menschen, die mit einer riesengroßen und selbstverständlich fordernden Haltung an ihr Leben herangehen, in dem Glauben, dass sie ein absolutes Recht auf die Erfüllung all ihrer Wünsche hätten. Diese Anmaßung kann erschrecken. Der überall gepredigte Machbarkeitswahn hat uns verlernen lassen, dass nichts selbstverständlich und vieles im Leben ein großes Geschenk ist. Er hat uns Dankbarkeit und Demut verlernen lassen. Auch das rigorose positive Denken, Wünschen und Bestellen beim Universum hat uns da oft auf eine irreführende Fährte geführt. Es ist sicher im Grundgedanken ganz richtig, aber zu leicht wird dabei vergessen, dass das „große Leben“ auch noch ein Wort mitspricht.

Als selbst betroffene Mutter, deren Sohn Daniel mit 24 Jahren 2012 diese materielle Welt verließ um wieder in seine geistige Heimat zurückzukehren, habe ich erfahren, wie hart sich die Umwelt mit den Themen Tod und Trauer tut. Da wirkt noch so viel altes kollektives Denken aus angstmachenden Religionen und aus einem Weltbild, das auf Trennung von unseren Lieben beruht. Obwohl ich selbst sehr offen damit umgegangen bin und viel darüber gesprochen habe, merkte ich von Anfang an, wie schwer sich die Menschen damit tun. Vom totalen Ausweichen bis zu besser-wissenden Ratschlägen (wohlgemerkt von Nicht-Betroffenen!) erfahren Hinterbliebene oft viel Unverständnis und wenig Mitgefühl und Respekt.
Am Arbeitsplatz und im Freundeskreis sollen sie schon bald wieder funktionieren und wieder „die oder der Alte“ sein.

Heute, nach eineinhalb Jahren weiß ich, dass wir –Gott sei Dank!- nie mehr die Alten werden, denn das Leben hat uns in eine große neue Fülle geführt. Wir sind nun zutiefst Wissende. Besonders wir Frauen sind nach dem Verlust eines Kindes nun Wissende über Leben und Sterben, Geburt und Tod, Freude und Schmerz und wir wissen nun zutiefst um den größeren Kreislauf des Ganzen. Das hat uns in eine große neue innere Kraft und zu einer großen inneren Stärke geführt, von der wir vorher gar nicht wussten, dass es diese gibt. Es hat uns zu einer großen Lebenstiefe geführt.

Wir müssen zu Beginn einer großen Trauerzeit erst einmal gar nicht wissen, wie genau alles nun weitergehen soll. Es gilt nur, sich Atemzug für Atemzug weiterhin durchs Leben tragen zu lassen und Tag für Tag weiterzumachen, erst einmal nur zu überleben. Dies gilt auf jeden Fall für das erste Jahr, in dem wir alles das erste Mal ohne unseren geliebten Menschen durchleben müssen. Es ist wie laufen lernen für ein kleines Kind. Alles ist Neuland, die Schritte wackelig, und wir wissen noch nicht, ob uns der Boden trägt. Wann wir dann vom Modus des Überlebens wieder hin zum Leben wechseln, das ist so verschieden, wie wir Menschen und unsere persönlichen Lebensgeschichten eben sind. Da gibt es keine allgemeingültige Regel.
Wer den Tod des eigenen Kindes überlebt hat, hat das Schlimmste im Leben hinter sich. Es gibt nichts mehr, was er/sie fürchten müsste. Schon gar nicht den eigenen Tod.

Doch leider kommt es oft nach diesem schlimmen Verlust zu weiteren Verlusten im persönlichen Umfeld und Freundeskreis, und darunter leiden Trauernde sehr. Darum wünschen wir uns: Bleibt an unserer Seite! Das ist das größte Geschenk einer Freundschaft und der Beweis ihrer Tiefe. Haltet mit uns zusammen das Unfassbare aus. Ohne hohle Worte und ohne helfen zu können und trösten zu müssen. Fragt offen nach, wie es uns geht und was wir jetzt brauchen. Gesteht uns und auch euch selbst eure Ohnmacht zu. Ehrlichkeit hilft hier am allermeisten weiter. Nichts-tun-können und Einfach-da-sein ist genug! Das hört sich so einfach an, und scheint doch eine der schwersten Übungen zu sein. Warum habt ihr so große Angst vor uns? Der selbst betroffene Psychotherapeut R. Kachler hat diese Frage untersucht und kam zu folgendem Ergebnis:

  1. eigene Ängste vor dem Tod und vor Verlassenheit brechen auf, die Angst vor der Unkontrollierbarkeit der Gefühle angesichts eines großen seelischen Schmerzes
  2. ein unbewusstes Schuldgefühl bei dem Gedanken: „Gott sei Dank hat es nicht mich erwischt…“
  3. eine archaische Angst vor „Ansteckung“, magisches Denken

Zumeist machen Trauernde ihrem Umfeld so viel Angst, weil unsere scheinbare Sicherheit, in der sich die meisten Menschen verdrängend wähnen, in Wahrheit nur eine große Illusion ist. Wenn man sich auf einen Trauernden einlässt, dann ist man auch zutiefst mit den eigenen Ängsten und ungelösten Themen konfrontiert. Da ist es schon sehr viel einfacher, einen Bogen darum zu machen oder Ratschläge zu verteilen, weil man dann glaubt, wenigstens einen Teil der Kontrolle wiederzuerlangen, und dass man selber ja auf der sicheren Seite sei, weil doch bei einem selbst „alles ganz anders“ ist.

Doch dieses Thema verlangt genau den Gegenpol dessen, was unsere westliche Welt propagiert. Hier geht es nicht mehr um das Yang, das Tun, das Leisten und die Aktivität sondern genau um das Gegenteil, das Yin, das Nichts-Tun-Können, das Aushalten, die Annahme und die Hingabe. Den Schmerz und die Trauer zuzulassen und auszuhalten, das ist die Aufgabe von gelingender Trauerarbeit und Trauerheilung. Für den Betroffenen und für denjenigen, der dabei an der Seite dessen bleiben möchte.

Mutige Menschen, die dabei nicht ausweichen und die in dieser Zeit liebevoll begleiten wollen, brauchen zu Beginn vor allem eines: sich auf den Trauernden und sich damit auf ein großes neues unbekanntes Land einzulassen, sich mit ihm Schritt für Schritt auf diesem neuen Weg voranzutasten und in dieses neue andere Leben mit hineinzuwachsen.

Wer sich als Freund oder Begleiter auf einen Trauernden einlässt, erhält selber ein großes Geschenk über und für sein eigenes Leben, wenn er dieses Wagnis eingeht.
Nicht nur in der ersten Zeit des großen Schocks und des überwältigenden Schmerzes brauchen wir euch, sondern gerade auch in den Jahren danach, wenn wir lernen müssen mit diesem großen Verlust und mit den immer wiederkehrenden Wellen des Schmerzes, der Sehnsucht und des Vermissens zu leben. Euren Wunsch, dass unser Leben wieder „normal“ wird und wir wieder werden „wie früher“, den können und wollen wir nicht erfüllen.
Nach so vielen Begegnungen mit verwaisten Eltern weiß ich, dass es absolut normal ist, so zu fühlen wie wir fühlen! Der überwältigende Verlustschmerz ist ein ganz kollektives Erleben in der Tiefe unserer Seele. Das einzige worin wir uns aber tatsächlich unterscheiden, ist die Wahl des Weges, den wir nun weitergehen. Wir haben zwei Möglichkeiten: daran zu zerbrechen und uns komplett der Außenwelt zu verschließen oder damit weiterleben zu wollen und sich auch wieder ein Leben mit schönen Momenten zu erschaffen. Ich habe das zweite gewählt. Für mich und meine Familie und all die, die an meiner Seite geblieben sind. Und nun auch für die neuen Menschen, die hinzukamen und noch in mein Leben kommen werden. Und ganz besonders für Daniel. Ich habe mir Vorbilder in solchen Menschen gesucht, die diesen Weg des Weiterlebens wählten.
Dennoch bleibt dieser Verlust ein Begleiter unseres neuen Lebens. Wir wünschen uns im Grunde nur eines: damit angenommen und gewürdigt zu werden. Damit wir uns nicht verstellen müssen. So sein dürfen, wie wir jetzt sind. Denn für uns ist die Zeit des gesellschaftlichen Spieles des Sich- verstellen- müssen und eine Maske- aufsetzen-müssen endgültig vorbei. Es gibt auch etwas anderes als die Spaßgesellschaft. Und darauf weisen wir hin. Vielleicht sind wir deshalb so unbequem?

Für uns gilt der Spruch, „alles“ wird wieder gut, nicht. Auch die Zeit heilt alle Wunden, das ist ein Irrtum. Wie soll die Wunde des fehlenden Kindes heilen? Es fehlt weiter für den Rest des Lebens an jedem neuen Tag. Und jeder neue durchlebte Tag erinnert uns sogar mehr daran, wenn wir lebende Freunde im gleichen Alter sehen, für die das Leben einfach weitergeht. Ja, für die stimmt auch dieser Spruch, doch für Betroffene kommt das Leben erst einmal total zum Stillstand und dann geht es allmählich a n d e r s weiter. Wir möchten weiterhin über unser vorausgegangenes Kind reden dürfen, genauso wir ihr über eure lebenden Kinder sprecht und wir euch dabei zuhören. Natürlich gilt auch all das beim Verlust des Partners. Wir Hinterbliebene sind nun durch unser Schicksal das geworden, was Tag und Nacht zusammen sind, Licht und Finsternis, hell und dunkel, ein großes zusammengehöriges Ganzes, das Yin und Yang, oder die Fülle, die aus allem besteht und nichts ausschließt, weil das eine schlechter ist als das andere. Leben und Sterben gehören zusammen im großen Kreislauf des Lebens. Sie sind nicht voneinander zu trennen.

Helene Schmid, Tel: 08061/8994
helene-schmid@web.de

Lebenskunst, Titel: JAHRESTHEMEN 2014

Die Dinge sind nicht so, wie sie zu sein scheinen. Aber anders sind sie auch nicht. ” (Lankavatara Sutra )

2013 war die erste Jahreshälfte eher unproblematisch und die zweite schwierig. 2014 ist es genau umgekehrt. Der Start in das neue Jahr ist sehr Konflikt beladen und es gibt in der ersten Jahreshälfte 2014 viel zu schlichten. Die Machtverhältnisse sind sehr instabil. Rückzugsgefechte und Rücktritte prägen das Geschehen und mit Beginn des Sommers treten bereits die ersten neuen „Könige“ ins Rampenlicht. Im persönlichen Erleben steht zunächst die Klärung von Beziehungen im Vordergrund. In den Sommermonaten nimmt die Lebensfreude spürbar zu und es bestehen gute Aussichten, wichtige Herzensanliegen zu verwirklichen.

Wie sich das Jahr 2014 für jeden persönlich entwickelt, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie gut die Chancen des Jahres 2013 genutzt und die damit verbundenen Herausforderungen gemeistert wurden. Wer im Sommer 2013 zu viel auf einmal riskierte, der bekam dafür umgehend die Quittung serviert. Wer jedoch mit seinen Vorhaben und Zielen richtig lag, der konnte bereits große Durchbrüche erzielen und den einen oder anderen lang gehegten Traum verwirklichen. Wer bei Projekten, deren Ursprungsidee bis in die Jahre 2000 bzw. 1989 zurückreicht, einen langen Atem bewiesen hat, der ist angesichts der aktuellen Planetenzyklen auch 2014 auf der Gewinnerseite.
Die Chancen und Herausforderungen des Jahres 2014 sind bereits in der Neumondkonstellation am 1. Januar deutlich zu erkennen (siehe Abbildung, folgt noch).

Abb. 1: Neumond, 01.01.2014, 12:14 MEZ, erstellt auf Berlin, 13E20, 52N30

In diese Neumondkonstellation sind bereits alle wichtigen Planetenzyklen des Jahres 2014 eingebunden, insbesondere auch das Große Kreuz von Pluto in Steinbock, Uranus in Widder, Jupiter in Krebs und Mars in Waage. Bedingt durch den Rückläufigkeitszyklus von Mars zieht sich dies Große Kreuz über mehrere Monate hin und prägt entscheidend das Geschehen der ersten Jahreshälfte 2014.

Die Themen dieses Großen Kreuzes sind:
Mars in Waage (rückläufig vom 1. Februar bis 20. Mai 2014, Zyklus-Dauer vom 24. Dezember 2013 bis 21. Juli 2014):
Dieser Mars-Transit verstärkt den Kampf um Gerechtigkeit. Es gilt, sich für Kompromisse stark zu machen und die Wut über unfaire Verhältnisse in konstruktive Bahnen zu lenken. Gegebenenfalls sind auch Rückzugsgefechte um des lieben Friedens willen erforderlich, auch um sich dadurch Luft für Verhandlungen zu verschaffen. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist ein diplomatischer Eros am Wirken, der dazu einlädt, einen fairen Interessensausgleich anzustreben und Geben und Nehmen miteinander in Einklang zu bringen. In manchen Bereichen kann es allerdings zu heftigen Konflikten kommen, da verdrängte Aggressionen hochschießen und Ressentiments sowie Konkurrenzgefühle freigesetzt werden. Der Kampf um Kompromisse ist in diesem Frühjahr ein Gefecht, das Aussicht auf Erfolg verspricht. Gefragt sind Lösungen, bei denen jeder etwas zu gewinnen hat. Allerdings lohnt es sich nicht, darauf zu warten, dass die Anderen den Anfang machen. Schließlich lautet das Motto von Mars in Waage: „Bitte nach Ihnen.“ Keine Konstellation für stürmische Helden – jedoch bestens geeignet für faires Handeln und Verhandeln.

Uranus Quadrat Pluto (erneut exakt am 21. April und 15. Dezember 2014):
Unter dieser Konstellation sind große Anstrengungen erforderlich, um sich aus festgefahrenen Situationen zu lösen. Die Macht der Vergangenheit ist in aller Deutlichkeit zu spüren und Fortschritte und Veränderungen müssen zum Teil regelrecht erzwungen werden. Dennoch bestehen gute Aussichten, sich aus alten Zwängen und einengenden Strukturen befreien zu können, insbesondere indem man falsche Vorstellungen durch frische Ideen ersetzt. Es gilt gründlich auszumisten und sich nicht länger an Menschen und Dinge zu binden, die nicht mehr zu einem passen. Mit Uranus im Quadrat zu Pluto hat jede Freiheit ihren Preis, doch es könnte sich lohnen, ihn zu zahlen, damit man wieder Luft zum Atmen hat und das eigene Leben nicht länger von widrigen und unglücklichen Umständen bestimmt wird. Der Uranus/Pluto-Zyklus steht für eine tief greifende Veränderung von Machtverhältnissen und verspricht letztendlich „wahre“ Freiheit.

Jupiter Opposition Pluto (erneut exakt am 31. Januar und 21. April 2014):
Mit dem Jupiter/Pluto-Zyklus ist meist die Erkenntnis verbunden, dass sich das Glück nicht erzwingen lässt. Zwar ist gerade in der Oppositionsphase die Versuchung besonders groß, aus dem Unglück anderer Kapital schlagen, doch meist rächt sich ein solches Verhalten dann im zweiten Teil des Zyklus recht bald. Manch einer hat Glück im Unglück, sofern nicht auf Kosten der eigenen Moral nach der Macht gegriffen wird oder die falschen Götzen anbetet werden. Wer um jeden Preis Recht haben möchte, der muss bei Jupiter-Pluto dafür einen hohen Preis bezahlen. Die von dieser Konstellation verursachten Krisen können Anlass sein, Prioritäten neu zu setzen und die bislang angestrebten Ziele einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen.

Jupiter Quadrat Uranus (erneut exakt am 26. Februar und 20. April 2014):
Risiken einzugehen ist unter Jupiter-Uranus Konstellationen oftmals reine Glückssache. In den ersten Monaten des Jahres 2014 wird deutlich, wo man den Bogen überspannt und sein Glück zu sehr herausgefordert hat. Man sollte nun nicht mit seinem Schicksal hadern, selbst wenn der Höhenflug des Ikarus plötzlich ein jähes Ende nimmt. Gegenwärtig kommt es zu Quantensprüngen, bei denen mitunter selbst kühne Geister auf der Strecke bleiben. Es gilt herauszufinden, wo sich der Griff nach den Sternen lohnt und wo es klüger wäre, sich mit weniger zu bescheiden. Ein spontaner Perspektivewechsel kann oftmals eine unerwartete Wendung zum Guten bewirken. Dennoch sollte man nicht gleich Kopf und Kragen riskieren, um sich in der einen oder anderen brenzligen Lage einen Vorteil zu verschaffen. Manche Gewissheiten verlieren unter Jupiter/Uranus unverhofft an Kraft, dafür glaubt man plötzlich an Dinge, die man nie für möglich gehalten hat. Für manche grenzen solche Erfahrungen an ein Wunder, andere wiederum verlieren völlig die Orientierung und fangen an, an sich zu zweifeln.

Jupiter in Krebs und Löwe
Wie schon im Jahr 2013 kommt dem Planeten Jupiter auch 2014 eine bedeutsame Rolle zu, da er in der ersten Jahreshälfte zunächst die Spannungen und Konflikte auf die Spitze treibt, um dann in der zweiten Jahreshälfte den Weg freizumachen für positive Veränderungen und Entwicklungen. Bis 16. Juli 2014 befindet er sich noch im Zeichen Krebs. Familienthemen stehen unter dieser Konstellation hoch im Kurs. Im persönlichen Bereich bestehen gute Aussichten, Menschen, die man mag, glücklich zu machen. Man ist auch dazu aufgefordert, sich gut um die Erfüllung eigener Bedürfnisse zu kümmern, romantisch zu sein und sofern möglich, das Gefühl familiärer Zugehörigkeit zu genießen. Ab der zweiten Julihälfte befindet sich Jupiter im Zeichen Löwe und schafft optimale Voraussetzungen, um sich einem Herzensanliegen zu widmen und seine kreative Potenziale auszuschöpfen. Nach den Anstrengungen der ersten Jahreshälfte ist endlich Gelegenheit, Kür zu tanzen und Kraft und Lebensfreude zu schöpfen.
Am 25. September bildet Jupiter ein Trigon zu Uranus: Wer vorhat, mit einem persönlichen Anliegen einen Neuanfang zu wagen, der hat im Herbst 2014 dafür die besten Erfolgsaussichten. Man kann auf die Gunst des Augenblicks vertrauen und Durchstarten, sobald die Richtung stimmt.

Alte Liebe rostet nicht
Das Jahr 2014 beginnt mit einer rückläufigen Venus (bis 31. Januar), vom 1. März bis 20. Mai ist dann Mars rückläufig. In der Liebe prägen die Themen der Vergangenheit ganz wesentlich das Geschehen in der Gegenwart. Was in Partnerschaften und Beziehungen besonders in Erinnerung gerufen wird, sind Erlebnisse und Begegnungen, die um den Jahreswechsel 2005/06, 1997/98, 1989/90 bzw. 1981/82 stattgefunden haben. Dabei gibt es sowohl schöne Erinnerungen zu genießen als auch schmerzhafte Erfahrungen aufzuarbeiten. Thema ist der Rückzug aus Altlasten und die Belebung des Neuen. Treue- und Loyalitätsversprechen sind zu erneuern, bestehende Dreiecksverhältnisse zu klären und es bestehen gute Aussichten, an schöne Zeiten von früher anzuknüpfen und verloren gegangene Schätze wieder zu finden.

Dipl. Psych. Markus Jehle ist Leiter des Astrologie Zentrums Berlin (www.astrologie-zentrum-berlin.de) und Chefredakteur und Mitherausgeber der astrologischen Fachzeitschrift Meridian (www.meridian-magazin.de).

Der Fall Wilhelm Reich

„Ein Mensch ist weder ein Ding noch ein Prozess sondern eine Öffnung oder Lichtung, durch die sich das Absolute manifestieren kann.” (Ken Wilber)

War es Wahnsinn, an die Freiheit des Menschen zu glauben, oder war Wilhelm Reich nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Zehn Jahre nach seinem Tod in einem US-amerikanischen Gefängnis werden Reichs Schriften zu einem Wegbereiter der 68er Generation. Seine visionären Ideen wirken bis heute nach. Seit 5. September läuft „Der Fall Wilhelm Reich“ im Kino. Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle verkörpert einfühlsam und engagiert den vielschichtigen Mann und Wissenschaftler Wilhelm Reich, der an sich und seine Ideen glaubte und sich nicht von seinem Weg abbringen ließ.

Was finden Sie an der Person Wilhelm Reich interessant?

Klaus Maria Brandauer: Wilhelm Reich war ein Grenzgänger, ein Tausendsassa, ein Querulant, eine faszinierende, widersprüchliche und auch sehr umstrittene Person. Da ist es nicht leicht, einen Weg zu finden, der zu einer kompletten Persönlichkeit führt. Der wichtigste Punkt war für mich, Reich als jemanden zu zeigen, der der Menschheit wirklich und um jeden Preis helfen will, weiterzukommen! Er meinte das alles sehr ernst, auch seinen Kampf gegen die Atomenergie zum Beispiel. Aber nur seine Biografie zu illustrieren wäre langweilig, man muss ihn als Menschen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Privatheit verstehen. Das ist dann eine sehr reizvolle Aufgabe für einen Schauspieler.

Sie haben die Atomkraft anhesprochen, auch seine Ansicht, wie sich das Individuum in der Massa verhält und wie daraus Konflikte entstehen können:

K.M.B.: Richtig originell ist ja fast gar nichts mehr, weil so gut wie alles schon mal verhandelt worden ist – vor fünf, zehn, zwanzig, fünfzig, hundert oder zweitausend Jahren und damals vielleicht tiefgründiger und sorgfältiger als heute. In unserem Chaos aus Informationen, Bildern und Texten ist es sehr schwer geworden, den Durchblick zu behalten. Alle sind informiert und trotzdem weiß keiner, was wirklich Sache ist. Und hier kommt wieder der Reich ins Spiel. Seinen Ansatz, das alles mit allem verbunden ist, den belächelt jetzt niemand mehr, im Gegenteil. Man darf – ganz in seinem Sinne – den gegenwärtigen Zustand nicht beklagen, sondern muss schauen, wohin der Weg führt.

Wie konnte Wilhelm Reich in einer solchen Welt als Individuum seinen Weg finden?

K.M.B.: Reich hatte es wirklich nicht leicht, die Zeitläufe waren gegen ihn. Zuerst haben sie in Europa seine Bücher verbrannt und ihn fast ums Leben gebracht, dann geht er nach Amerika und dort findet er nicht die Freiheit, sondern er wird ins Gefängnis geworfen und sieht sich enormen Anfeindungen ausgesetzt. Sogar Freud und Einstein sind gegen ihn und doch behauptet er sich immer wieder, bis es eben für ihn vorbei ist. Er war einer, der stört. Aber es braucht unbedingt solche Menschen, die immer wieder Sand ins Getriebe werfen. Auch die Demokratie, die wir heute haben, den Wohlstand, die Freiheit, das braucht immer wieder die Irritation, das Hinterfragen, den Widerstand. Demokratie ist kein Zustand, sie muss vielmehr immer wieder neu erkämpft und vertreten werden.

Wenn man sich jetzt das Leben von Wilhelm Reich anschaut, dann könnte man, wenn man es sehr pessimistisch betrachtet, sagen: Eigentlich hat er auf voller Linie verloren, weil er seinen Ideen gefolgt ist und seine Überzeugungen bis zum bitteren Ende vertreten hat. Ist so eine pessimistische Weltsicht auch heute angesagt?

K.M.B.: Nur weil eine Idee vor ihrer Zeit aufkommt, ist sie ja nicht falsch, sie setzt sich vielleicht im Moment noch nicht durch, aber ihre Zeit wird kommen. Wilhelm Reich war gegen vorgefasste Meinungen und Strömungen. Er hat seinen Traum gelebt und mit seinen Ideen etwas in uns gepflanzt. Ich muss ja nicht sein wie er, aber es ist wichtig, dass es solche Menschen wie ihn gibt. Stellen Sie sich mal vor, wir hätten lauter Hamlets, lauter Zögerer, dann würde die Welt sich überhaupt nicht mehr weiter entwickeln. Wir müssen eben sehr aufmerksam sein, dass wir die „Wilhelm Reichs von heute“ nicht übersehen. Es kommt auf jeden einzelnen an, Qualität kommt immer vor Quantität. Das gilt auch für Ideen!

Träume auf die Bühne oder vor die Kamera zu bringen – ist es das, was sie so reizt an der Tätigkeit des Schauspiels?

K.M.B.: Ich kann mit dem Begriff Schauspielerei erst einmal nicht viel anfangen, denn das klingt ja nach einer Tätigkeit, wo man nur so tut als ob und so ist es ja nicht. Mich interessieren Gedanken und die Gemeinschaft. Ich könnte auch sagen – Kommunikation. Ich möchte etwas machen, das möglichst viele Leute interessiert. Im besten Fall verbessert es meine Lebensqualität und auch die der Menschen, die mit dabei sind. Bei aller Träumerei: Der Moment ist wahr, der Moment ist entscheidend.

Glauben Sie, dass so ein Fitzelchen von einem Moment auch irgendetwas verändern kann?

K.M.B.: Ob der Moment wirklich etwas verändern kann, weiss ich nicht. Aber ich denke, es geht darum, die Kraft zu haben, den Moment durchzusetzen, selbst wenn man sich, wie in meinem Beruf, an Menschen richtet, die man nicht kennenlernt. Das gilt für jede Tätigkeit, egal welchen Beruf – obwohl ich selbst oft Zweifel habe, ob das, was ich mache, wirklich ein Beruf ist.

Vielen Dank für das Gespräch
www.movienetfilm.de, www.grenhouse-pr.com

LEBEN SIE DIE WAHRHEIT IHRES LEBENS

„Es einfacher, die Wahrheit zu kennen, als sie zu spüren,
und es ist einfacher, sie zu spüren, als sie zu leben.“
(David Deida)

Jeder kennt die Wahrheit über irgendetwas. So wissen die meisten Menschen, dass es ungesund ist, zu viel Süßes zu essen. Nur ein Teil derer, die das wissen, spürt die Wahrheit, während er eine Schachtel Kekse futtert. Und ein noch kleinerer Teil von ihnen ändert sein Verhalten ein für alle Mal, weil er die Wahrheit kennt und spürt.
Es ist viel schwieriger, die Wahrheit zu leben, als sie zu spüren oder zu kennen. Am einfachsten ist es, etwas zu wissen. Der Geist ist viel anpassungsfähiger als die Emotionen oder der Körper und daher relativ schnell bereit, sich zu verändern. Sie können etwas hören und wissen sofort, dass das Gehörte wahr ist. Dann können Sie es anderen erzählen. Sie können darüber schreiben. Sie können darauf eine ganze Philosophie begründen. Und doch ändert sich in Ihrem Leben nicht viel. Sie können die Wahrheit kennen–zum Beispiel, dass sportliche Betätigung die Herz-Kreislauf-Tätigkeit verbessert – und dann trotzdem auf Ihrem Hintern sitzen bleiben.
Sobald Ihr Geist die Wahrheit erfasst hat, ändern sich als Nächstes Ihre Emotionen. Oft müssen Sie erst jahrelang leiden, bevor die Wahrheit über einen Sachverhalt so tief in Sie einsickert, dass Ihre Tränen fließen können und Ihre Begeisterung wachsen kann als Reaktion darauf, wie war etwas ist. Selbst eine hoch entwickelte emotionale Intelligenz – Ihre Fähigkeit, die Wahrheit hochsensibel und nuanciert zu spüren – reicht für wahres Wachstum nicht aus.
Als letzter Teil von Ihnen wird der Körper durch die Wahrheit transformiert. Das er grobstofflicher ist als Ihr Geist oder Ihre Emotionen, verändert er sich erst ganz zuletzt. Sie werden wissen, was Sie tun sollen, und werden spüren, dass es wahr ist, noch ehe Sie bereit sind, diese Wahrheit durch Ihren Körper zu leben. Sie wissen möglicherweise, dass Sie sich weder ein neues Kleid noch eine Reise nach Las Vegas leisten können. Sie mögen spüren, dass die Wahrheit Sie nervös macht und Ihnen Unbehagen bereitet, und sind vielleicht trotzdem nicht bereit, die Wahrheit zu leben – also knallen Sie Ihre Kreditkarte auf den Tresen und ziehen die Sache wie gewohnt durch, egal, wie viel Gewissensbisse Sie mechanisch tun – sind die hartnäckigsten, unbeugsamsten und die Letzten, die sich der Wahrheit fügen.
Da Ihr Körper am begriffsstutzigsten ist, wird die Sexualität oft ganz von der Wahrheit transformiert. Am Anfang wissen Sie, dass Liebe die Basis für Sexualität sein könnte. Dann lernen Sie, Ihren Liebespartner im Strudel der Leidenschaften emotional zu spüren. Schließlich lernen Sie, Ihre mechanischen Bewegungsabläufe beim Sex als Liebe zu leben.
Selbst in den erotischsten, genüsslichsten oder schmerzhaftesten sexuellen Momenten können Sie lernen, als Liebe zu atmen, sich als Liebe zu winden, als Liebe vorwärtszupreschen, als Liebe zu empfangen und als Liebe zu sprechen. Sex kann bedeuten, dass Sie mit Ihrem ganzen Körper Liebe tun. Beim Sex, aber auch zu allen anderen Zeiten, in jedem Augenblick, können Sie Liebe tun, indem Sie sich nach außen öffnen, jeden spüren, den ganzen schmerz- und freudvollen Augenblick einatmen und aus Ihrem Herzen Liebe für alle ausatmen, wenn Sie Ihre mechanischen Handlungsabläufe zu Liebe werden lassen.
Wie ein Marathonläufer können Sie Ihren Körper trainieren, die Strecke als Liebe zu gehen. Wenn Sie müde sind und am liebsten zusammenbrechen möchten, lieben Sie mithilfe Ihrer Atmung und Ihrer Handlungen nur ein paar Minuten länger. Schenken Sie Ihrer Liebste – nur einen Moment länger als Sie es gewöhnlich tun würden. Bald öffnet sich Ihr Leben immer mehr dafür, Liebe zu tun.

Zügeln Sie den ganzen Tag lang Ihr Tempo und spüren Sie Ihren Herzschlag. Spüren Sie tief in Ihrem Herzen nach der Quelle des Liebesstroms. Gestatten Sie Ihrem Körper, sich für die Liebe zu öffnen, indem Sie den Bauch weich machen und in Ihr Herz ein- und wieder ausatmen. Schenken Sie allen über Ihre Atmung Ihr tiefes Herz, und lassen Sie Ihre Liebe, wann immer Sie daran denken, durch Ihren Körper strömen.
Wie würde die Liebe Gefühle spülen? Während Sie am Spülbecken stehen. Liebe in Ihr Herz ein- und wieder ausatmen und bis zum Rand des Universums fühlen – wie würde Ihr Körper mit dem seifigen Schwamm über die Oberfläche jedes Tellers schrubben? Wie könne Sie Ihre offene Herzenswahrheit Ihren Mitarbeitern vermitteln, auch wenn Sie nicht einer Meinung mit ihnen sind? Sollen Sie lächeln, Witze erzählen, effizient handeln, sie berühren oder sich zurückziehen und ihnen Raum geben? Üben Sie tagtäglich, Liebe als kunstvolles Geschenk Ihres Körpers aus tiefsten Herzen zum offenen Horizont des Augenblicks hinaus zu entfalten. Es einfacher, die Wahrheit zu kennen, als sie zu spüren, und es ist einfacher, sie zu spüren, als sie zu leben. Die Wahrheit zu kennen, bringt herzlich wenig; sie zu spüren, ist ein Zeihen von Tiefgründigkeit; was zählt, ist sie zu leben.

David Deida, Nackt zur Wahrheit, Kamphausen

SLOW SEX – Mut zur Entschleunigung

”Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann ist glücklich.”

(Herrmann Hesse)

Die Bestsellerautorin und Sexualtherapeutin Diana Richardson zeigt uns in ihrem Film “Slow Sex” eine wahre Alternative, zurück zu mehr Langsamkeit, Bewusstheit und Liebe. Sexualität als Weg sich selbst wieder näher zu kommen und einen Raum für Gefühle und Harmonie zu schaffen ist ihr Credo. In einer Welt, die von Wettbewerb und Performance bestimmt zu sein scheint, kann Entspannung und Entschleunigung wieder Einzug in die Schlafzimmer halten.

Im Film “Slow Sex”, Gewinner des Cosmic Angel Publikumsawards 2013, geben Paare jeden Alters, die Slow Sex praktizieren, einen offenen, erfrischenden und humorvollen Einblick in ihre Erfahrungen damit. Mit ihrem großen Wissen und ihrer Erfahrung auf dem Gebiet der Sexualität erläutert Diana Richardson im Film einen neuen Stil des Liebens.

Herzlichen Glückwunsch. Ihr Film bekam den Publikumspreis des Cosmic Cine Filmfestivals in 2013. Was glauben Sie warum er ausgewählt wurde?

Diana Richardson: Weil das Thema Sex sehr zentral im Leben eines jedes Menschen ist. Außerdem wird Sex durch die Medien immer auf sehr stark verzerrte Weise dargestellt, sodass ein Film, der sich Sex auf eine unschuldige, unbefangene und informative Art und Weise nähert, mit dem Publikum in Resonanz gegangen ist und es berührt hat.

Der Film beginnt damit, dass er die permanente Präsenz von Erotik und Sex in der Werbung und in den Medien allgemein aufzeigt. Können Sie etwas über den Einfluss dieser Tatsache auf uns sagen?

D. R.: Erotische Bilder sind sehr provokativ und lösen sexuelle Phantasien und Gedanken aus. Das Ergebnis davon ist, dass Sex auf eine gedankliche oder Phantasieebene gebracht wird. Die Realität aber ist, dass Sex etwas Physisches ist, was tatsächlich im Körper auf der Ebene der Sinne und der Wahrnehmung stattfindet – nicht in Phantasien und Gedanken. Diese erotischen Bilder setzen Frauen im allgemeinen unter den Druck sich unrealistischen Idealen zu unterwerfen, die es erfordern, auf eine bestimmte Art und Weise aufzutreten, was ziemlich viel Spannung auslösen kann.

Was ist der Unterschied zwischen „normalem Sex“ und „slow sex“?

D.R.: „Slow Sex“ bezieht sich mehr auf unsere Sinne und es geht mehr darum, dass sich ein Moment nach dem nächsten entfalten kann. „Konventioneller Sex“ ist in der Regel schnell, mechanisch und zielgerichtet, weil er in erster Linie auf das Erreichen eines Höhepunktes ausgelegt ist. Das Ergebnis ist dann, dass der Sex viel zu schnell vorbei ist. „Slow Sex“ ist im Vergleich dazu ganz anders – es geht darum alles ruhig und entspannt angehen zu lassen, sodass Du über Stunden Liebe machen kannst, wenn du das willst.

Können Sie etwas darüber sagen, wie man „langsamer“ beim Sex werden kann?

D. R.: Es ist nötig, bewusster und aufmerksamer im eigenen Körper zu sein. Und das ist eigentlich ziemlich einfach. Es geht nicht darum was du tust, sondern wie du es tust. Wenn eine Person mehr im eigenen Körper und in ihren Sinnen verankert ist, wird sie empfindsamer und das Wahrnehmen auf einer feineren, tieferen Ebene wird möglich.

Der Film schlägt vor, dass ein Paar sich zum Sex verabreden sollte. Warum?

D. R.: Nun, es ist ganz einfach sinnvoll. Die Menschen sind meistens ziemlich beschäftigt und das Resultat davon ist, dass Sex und die Liebesbeziehung oft sehr vernachlässigt werden. Also ist eine Verabredung zum Sex der praktikabelste Weg einen Raum für Intimität und Nähe zu schaffen. Es ist außerdem auch schön, „es“ im Voraus zu „wissen“, denn dann geht man innerlich schon vorbereitet in die Begegnung.

Was sind die häufigsten sexuellen Schwierigkeiten mit denen Männer und Frauen zu tun haben?

D. R.: Bei Männern sind die Hauptprobleme der vorzeitige Samenerguss und Erektionsstörungen. Bei Frauen gibt es oft Schwierigkeiten, überhaupt einen Orgasmus zu erleben und auch das nach einer Weile oder nach der Geburt eines Kindes abnehmende sexuelle Interesse wird oft als problematisch empfunden.

Funktioniert „Slow Sex“ bei Männern und Frauen gleich?

D.R.: Ja. Grundsätzlich fallen die meisten Schwierigkeiten und der Druck weg, wenn man seine Ideen und Erwartungen rund um Sex verändert. Im Film sieht und fühlt man die Liebe und Harmonie zwischen den Paaren sehr deutlich. Nur mit einem anderen, bewussteren Ansatz im Sex ist es letztendlich möglich, dass Sexualität tief heilend, integrierend und ausgleichend wirken kann. Aus diesem Grunde ist der Film ohne Altersbeschränkung, weil nämlich diese Information auch für junge Leute sehr wertvoll und unterstützend ist.

Was ist Ihr Rat für Langzeitpaare, bei denen sich das Feuer der Leidenschaft abgekühlt hat?

D.R. Als erstes möchte ich sagen, dass es absolut natürlich ist für ein Feuer, dass es sich auch wieder abkühlt. Es ist einfach nicht möglich, für immer „heiß“ zu bleiben, das wäre schon fast unmenschlich. Daher ist es gut für ein Paar, seine Vorstellungen über Sex an sich zu verändern und die Möglichkeit einer bewussteren und langsameren Art von Sexualität zu erforschen. Sie werden entdecken, dass Langsamkeit auf einer tiefen Ebene sehr erfüllend ist und dass der Respekt und die Liebe füreinander stark wächst.

Vielen Dank für das Gespräch!

Cosmic Cine Publikumspreisgewinner 2013

Mehr Infos unter: www.cosmic-cine.com, www.slowsex-derfilm.de

Die lebendige Gegenwart

„Berühren und schmecken wir wirklich das Leben, sehen und spüren wir das Außergewöhnliche, insbesondere im Gewöhnlichen?“ (Elisabeth Kübler-Ross)

Lebendige GegenwartAls ich von meiner Reise zu den traditionellen Völkern Indonesiens und Nepals nach Nordamerika zurückkehrte, waren es bald viele Aspekte meiner eigenen Kultur, die mich verwunderten und irritierten. Annahmen, die ich zuvor als gesichert betrachtet oder seit Kindheitstagen als eindeutige und unerschüttliche Wahrheiten akzeptiert hatte, schienen nun kaum noch Sinn zu ergeben – beispielsweise der Glaube an eine unabhängige ‚Vergangenheit’ und ‚Zukunft’. Wo waren denn die unsichtbaren Bereiche, die soviel Macht über das Leben meiner Familie und Freunde hatten? Jeder, den ich kannte, schien so beschäftigt damit, über die Vergangenheit nachzusinnen und sie festzuhalten – wie besessen wurden überall Ereignisse auf Foto oder Video gebannt – oder besorgt an die Zukunft zu denken – ständig bezahlten sie Versicherungsbeiträge für Häuser, Autos oder sogar den eigenen Körper. Als frisch Zurückgekehrtem schien mir, dass all diese Beschäftigung mit Vergangenem und Zukünftigem meine Mitmenschen seltsam unbewusst für die Ereignisse werden ließen, die sich vor ihren Augen in der Gegenwart entfalteten. Sie schienen kein Bewusstsein für die Dinge zu haben, für die ich mich bei meiner Feldforschung hatte sensibilisieren müssen, um mit indigenen Magiern zu kommunizieren: das Leben anderer Tiere, die winzigen Gesten der Insekten und Pflanzen, die Sprache der Vögel, die Geschmacksnoten des Windes, den Fluss der Geräusche und Gerüche.

Doch meine Familie und meine alten Freunde schienen blind für die sinnlich wahrnehmbare Gegenwart der Welt zu sein. Die Gegenwart schien ihnen nicht mehr als ein Punkt oder ein verschwindend kleiner Augenblick, der die Vergangenheit von der Zukunft trennt. Und je mehr ich mit meinen Angehörigen und Freunden ins Gespräch kam, desto leichter fühlte auch ich mich abgeschnitten, als ob mein Bewusstsein durch eine spiegelnde Glasscheibe von der belebten Landschaft abgeschirmt wäre.

Damals entwickelte ich eine hilfreiche Übung, um nicht vollends von der linear-chronologischen Gegenwartsvergessenheit der Zivilisation mitgerissen zu werden. Wenn Sie sich das nächste Mal in der Natur befinden, können sie es gerne selbst ausprobieren. Ich begebe mich dazu in relativ freies Gelände, besonders geeignet sind ein flacher Hügel oder eine offene Wiese. Ich entspanne mich, atme ein paar Mal tief durch und lasse meinen Blick schweifen. Dann schließe ich die Augen und lasse in meinem Geist meine ganze Vergangenheit an mir vorüberziehen – die Summe aller Ereignisse, die zum gegenwärtigen Augenblick führten. Und ich rufe mir auch meine ganze Zukunft ins Bewusstsein – all die Projekte und Möglichkeiten, die noch darauf warten, verwirklicht zu werden. Ich stelle mir diese Vergangenheit und Zukunft als zwei große Ballons vor, die wie die Gläser einer Sanduhr getrennt und doch verbunden sind durch ebendiesen Augenblick, in dem ich über sie nachsinne. Und dann erlaube ich diesen beiden immensen Zeitblasen, ihren gesamten Inhalt ganz langsam in jenen winzigkleinen Augenblick zwischen ihnen – die Gegenwart – einfließen zu lassen. Langsam und zunächst kaum merklich wird der gegenwärtige Moment größer und größer. Genährt von dem, was Vergangenheit und Zukunft entströmt, wächst er in dem Maß, in dem die beiden anderen Dimensionen schrumpfen. Bald schon ist er groß, während Vergangenheit und Zukunft sich vollständig auflösen. Und ich öffne meine Augen.

Ich finde mich inmitten einer Unendlichkeit, inmitten einer weitläufigen und unerschöpflichen Gegenwart stehend wieder. Die ganze Welt ruht in sich selbst – die Bäume am Feldrand, das Zirpen der Grillen im Gras , die Cirrocumuluswolken, die sich wie Wellen über dem Himmel kräuseln, von Horizont zu Horizont. In der Entfernung erkenne ich den gewundenen Feldweg, daneben mein rostiges Auto – auch sie scheinen ihren Platz zu haben in diesem Moment des offenen Blicks, in dieser unendlichen Gegenwart. Und die Gerüche: Ein Hauch von Wald, Heidekraut und dem Erdreich unter mir erfüllt die Luft – so viele Botschaften vermengen sich zwischen den verschiedenen Elementen der Landschaft, die mich umfängt. Selbst der schroff gezackte Stumpf einer verwitterten Eiche, der einsam auf der Wiese steht, wirkt nicht tot in dieser Ewigkeit. Um die Eiche schart sich bewundernd eine Gruppe niedriger Büsche, daneben ruht ein großer Findling, der mit dem alten Baum Zwiesprache über die Schatten und das Sonnenlicht hält.

Als ich nähertrete, erkenne ich, dass die bröckelnde Borke entlang dem Baumstumpf von zwei Ameisenstraßen gekreuzt wird, eine führt nach oben, eine nach unten ins Erdreich. Von Nahem erkenne ich auch, dass die Schatten auf dem Felsen in Wirklichkeit keine Schatten sind. Es sind Flecken von Flechten unterschiedlicher Textur und Tönung, die sich von mehreren Stellen auf der Felsoberfläche ausbreiten – mattes Schwarz, gekräuseltes Grau und pudrig sattes Rot -, ganz so, als ob der Fels durch sie seine Gemütsverfassung zum Ausdruck brächte. Ich kratze mich am Bein. Wie merkwürdig: Die Lebendigkeit schwindet nicht aus dieser Welt. Ich stampfe auf, drehe mich im Kreis, ja, mache sogar einen Kopfstand. Die offene Gegenwart will nicht weichen. Einige nachtschwarze Krähen schießen aus dem Wald hervor und jagen sich in plötzlichen Sturz- und Sinkflugmanövern. Eine Krähe landet auf dem morschen Stumpf. „Kraah!…Krah! Krah!“ Dann gleitet sie direkt vor mir auf den Boden – „Krah!“ – und sieht mich von der Seite mit einem violetten Auge an. Die Lider blinzeln ein paar Mal geschwind wie die Verschlußklappe einer Kamera. Sie hüpft um mich herum, dann öffnet sich der große Schnabel: „Kraaah!“ Ich versuche zu antworten – „Kra!“ – und der Vogel tritt näher. Die Krähe hüpft nicht, bemerke ich, sie läuft unbeholfen über den Boden. Ich kann die winzigen Federn sehen, die ihre Nasenlöcher auf dem Schnabel bedecken, während ein Windstoß sie vom Boden pflückt, und ich fühle, wie ich selbst durch die wirbelnde Brise auf den Waldrand zuschieße.

In dieser Welt ohne „Vergangenheit“ und „Zukunft“ gelten andere Gesetze, mein Körper bebt in diesem Raum wie der eines Tieres. Ich weiß wohl, dass ich bald – in einer Zeit außerhalb dieser Zeit – nach Hause zu meinen Büchern zurückkehren muss. Doch auch hier bin ich zu Hause. Denn mein Körper und mein Geist sind in dieser offenen Gegenwart beheimatet. Diese Ewigkeit ist keine Illusion oder Halluzination – etwas an dieser Erfahrung ist zu dauerhaft, zu beständig, zu unerschütterlich, als dass sie bloß ein Trugbild sein könnte.

Auszug aus „Im Bann der sinnlichen Natur“, David Abram


Im Heilraum der Natur AURA 4/12

Die lebendige Gegenwart AURA 4/12

Die Göttin erwecken AURA 4/12

Neue Impulse für Heilung und Gesundheit AURA 4/12

Befreite Atmung AURA 3/12

Mobilfunk und das Bienensterben AURA 3/12

Die Lösung liegt im Innern AURA 3/12

Unsere einzige Sicherheit AURA 2/12

Das Geld der Sklaven AURA 2/12

Die Heilkraft des Singens AURA 2/12

Jahresthemen 2012 AURA 1/12

Erkenne dich selbst AURA 1/12

Der verborgene Schatz AURA 1/12

Weg zum Licht AURA 1/12

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